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Schleimhaut­veränderungs­finder

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Optik
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  • Fordyce-Flecken

    Harmlos
    ektope Talgdrüsen
    Typisches Bild
    Viele kleine, gelbliche Knötchen, meist beidseits an Wangenschleimhaut und Lippenrot.
    Häufigkeit
    Rund ein Viertel der Erwachsenen in Deutschland (24 bis 27 %).[5]
    Vorgehen
    Normvariante. Dokumentieren und dem Patienten erklären, keine Therapie.
  • Lingua plicata

    Harmlos
    Faltenzunge
    Typisches Bild
    Tiefe Furchen auf dem Zungenrücken, meist längs in der Mitte. In den Furchen können Speisereste Brennen auslösen.
    Häufigkeit
    19 % der 65- bis 74-Jährigen in Deutschland, nimmt mit dem Alter zu.[5]
    Vorgehen
    Normvariante. Zungenreinigung empfehlen, bei Brennen an Candida denken.
  • Lingua geographica

    Harmlos
    Landkartenzunge
    Typisches Bild
    Rote, glatte Areale mit weißlichem Randsaum auf dem Zungenrücken, die ihre Lage innerhalb von Tagen wechseln.
    Häufigkeit
    Etwa 3 % der Erwachsenen weltweit.[15]
    Vorgehen
    Harmlos. Befund erklären, bei Brennen scharfe und saure Speisen meiden.
  • Linea alba und Wangenbeißen

    Harmlos
    Morsicatio buccarum
    Typisches Bild
    Weiße Leiste in Höhe der Kauebene oder zerfranste, weißliche Fläche an Wange, Lippe oder Zungenrand.
    Häufigkeit
    Lippen- oder Wangenbeißen bei 10 % der 35- bis 44-Jährigen.[5]
    Vorgehen
    Ursache ansprechen (Parafunktion, scharfe Kanten). Verschwindet die Veränderung nach Beseitigung nicht, abklären wie eine Leukoplakie.[1]
  • Herpes (rezidivierend)

    Behandeln
    Herpes labialis, intraoral am Gaumen oder Zahnfleisch
    Typisches Bild
    Gruppierte Bläschen, die rasch zu kleinen, schmerzhaften Erosionen aufplatzen, an der Lippe oder an fest anhaftender Schleimhaut.
    Häufigkeit
    20 bis 32 % der Erwachsenen in Deutschland berichten von Lippenherpes.[5]
    Vorgehen
    Heilt meist in ein bis zwei Wochen ab. Aufschiebbare Behandlungen im akuten Schub verschieben.
  • Aphthen

    Behandeln
    rezidivierende aphthöse Stomatitis
    Typisches Bild
    Runde, sehr schmerzhafte Wunde mit gelb-weißem Fibrinbelag und rotem Hof, meist unter 1 cm, an beweglicher Schleimhaut.
    Häufigkeit
    Minor-Aphthen bei 10 bis 15 % der Bevölkerung, sie machen 85 % aller Aphthen aus.[3]
    Vorgehen
    Kleine Aphthen heilen in 7 bis 14 Tagen ohne Narbe. Bei Erwachsenen mit Läsionen über 14 Tage: Biopsie.[3, 21]
  • Druckstelle, traumatisches Ulkus

    Behandeln
    Typisches Bild
    Wunde mit klarer Ursache in der Nähe, etwa Prothesenrand, scharfe Zahnkante oder Biss.
    Häufigkeit
    Prothesenbedingte Veränderungen bei 8,5 % der Totalprothesenträger (65 bis 74 Jahre).[4]
    Vorgehen
    Ursache beseitigen und nach zwei Wochen kontrollieren. Ist die Wunde dann nicht deutlich zurückgegangen, abklären.[1]
  • Soor (pseudomembranöse Candidose)

    Behandeln
    Typisches Bild
    Weiße, abwischbare Beläge. Darunter liegt gerötete Schleimhaut, die leicht blutet.
    Häufigkeit
    Selten: 0,1 % der 65- bis 74-Jährigen in Deutschland.[4]
    Vorgehen
    Auslöser suchen (Kortisonspray, Antibiotika, Immunschwäche, Prothese) und antimykotisch behandeln.
  • Prothesenstomatitis

    Behandeln
    erythematöse Candidose unter der Prothese
    Typisches Bild
    Flächige Rötung, scharf begrenzt auf das Prothesenlager, meist am Gaumen. Oft ohne Beschwerden.
    Häufigkeit
    20 bis 67 % der Prothesenträger weltweit.[16]
    Vorgehen
    Prothesenhygiene schulen, Prothese nachts herausnehmen, Passung prüfen. Bei Bedarf antimykotisch.[16]
  • Reizfibrom

    Behandeln
    fibröse Hyperplasie
    Typisches Bild
    Glatter, derber, schleimhautfarbener Knoten, typisch an der Bisslinie der Wange.
    Häufigkeit
    8,7 % älterer Menschen in einer Übersicht aus 13 Ländern.[22]
    Vorgehen
    Exzision und histologische Untersuchung (BEMA 50, GOZ 3080).[18, 20]
  • Epulis, pyogenes Granulom

    Behandeln
    Typisches Bild
    Gestielter oder breitbasiger Knoten am Zahnfleisch, rot und blutungsfreudig oder blass und derb.
    Häufigkeit
    Keine belastbaren Bevölkerungszahlen.
    Vorgehen
    Exzision mit Histologie, Reizfaktoren (Plaque, Kanten) beseitigen. Die BEMA 50 nennt die Epulis ausdrücklich.[18]
  • Mukozele

    Behandeln
    am Mundboden: Ranula
    Typisches Bild
    Weiche, bläulich durchscheinende Schwellung, meist an der Unterlippe, oft nach Biss. Kann platzen und wiederkommen.
    Häufigkeit
    Über 16 % aller Gewebeproben bei Kindern in einer britischen Serie.[23]
    Vorgehen
    Exzision mit der beteiligten Speicheldrüse und Histologie.
  • Amalgamtätowierung

    Harmlos
    Typisches Bild
    Blau-grauer, flacher Fleck nahe einer Amalgamfüllung oder an einer früheren Extraktions- oder WSR-Stelle.
    Häufigkeit
    Häufig, keine belastbaren Bevölkerungszahlen.
    Vorgehen
    Röntgenbild zeigt oft Metallpartikel. Pigmentierung ohne klare Erklärung oder mit Wachstum abklären.
  • Raucherkeratose

    Behandeln
    Gaumen bei Pfeifenrauchern: Nikotinstomatitis
    Typisches Bild
    Grau-weiße, oft gefelderte Fläche an der Stelle, an der Rauch oder Zigarette einwirkt.
    Häufigkeit
    4,0 % der aktuellen Raucher zwischen 65 und 74 Jahren.[4]
    Vorgehen
    Rauchstopp empfehlen und kontrollieren. Bildet sich die Fläche nicht zurück, abklären wie eine Leukoplakie.[1]
  • Oraler Lichen planus

    Abklären
    auch lichenoide Läsion, z. B. an Amalgamfüllungen
    Typisches Bild
    Weißes Netz oder Streifen, meist beidseits an der Wange. Erosive Form mit roten, wunden Arealen, am Zahnfleisch als desquamative Gingivitis.
    Häufigkeit
    Rund 1 % weltweit, 0,7 % der 65- bis 74-Jährigen in Deutschland. Entartung bei rund 1,4 %.[4, 13, 14]
    Vorgehen
    Diagnose histologisch sichern, Kontrolle spätestens alle 4 Monate. Bürstenbiopsie BEMA 05 einmal in 12 Monaten.[1, 18]
  • Leukoplakie

    Abklären
    Typisches Bild
    Weiße, nicht abwischbare Fläche, die sich keiner anderen Erkrankung zuordnen lässt. Inhomogene, rot-weiße Formen sind riskanter.
    Häufigkeit
    4,3 % der 65- bis 74-Jährigen in Deutschland (2014: 0,7 %). Entartung bei rund 10 %.[4, 9]
    Vorgehen
    Ursache beseitigen. Ist die Fläche nach zwei Wochen nicht weg: Biopsie oder Überweisung. Danach dauerhaft kontrollieren.[1]
  • Proliferative verruköse Leukoplakie

    Abklären
    Typisches Bild
    Mehrere, wachsende weiße Flächen mit warziger Oberfläche, oft am Zahnfleisch.
    Häufigkeit
    Selten, aber Entartung bei 50 bis 66 %.[10, 12]
    Vorgehen
    Überweisung an MKG oder Oralmedizin, engmaschige Kontrolle.[1]
  • Erythroplakie

    Abklären
    Typisches Bild
    Leuchtend rote, samtige Fläche, die sich keiner anderen Erkrankung zuordnen lässt.
    Häufigkeit
    Selten. Bei der ersten Biopsie sind 43 % bereits ein Karzinom.[11]
    Vorgehen
    Sofort histologisch abklären oder überweisen.[1, 2]
  • Plattenepithelkarzinom

    Abklären
    Typisches Bild
    Nicht heilende Wunde mit derbem Rand, rote oder weiße Fläche, Knoten. Früh oft schmerzlos, typisch an Zungenrand und Mundboden.
    Häufigkeit
    12.880 Neuerkrankungen an Mundhöhle und Rachen in Deutschland (2023). 0,4 % der 65- bis 74-Jährigen.[4, 17]
    Vorgehen
    Unverzüglich zum Spezialisten überweisen. Jede unklare Veränderung über zwei Wochen ist verdächtig.[2]

Informationsangebot für zahnärztliche Fachkreise, keine Patientenberatung. Das Tool ersetzt weder Befund noch Diagnose. Die Verantwortung für Behandlung und Abrechnung bleibt bei der Praxis.

Quellen

  1. AWMF-Register 007-092, S2k-Leitlinie Diagnostik und Management von Vorläuferläsionen des oralen Plattenepithelkarzinoms in der Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde, Stand September 2019 (abgelaufen, in Überarbeitung), 01.09.2019. Abgerufen am 02.10.2026
  2. Leitlinienprogramm Onkologie, S3-Leitlinie Diagnostik und Therapie des Mundhöhlenkarzinoms, Langversion 3.0 (AWMF-Register 007-100OL), 01.03.2021. Abgerufen am 02.10.2026
  3. AWMF-Register 007-101, S2k-Leitlinie Diagnostik und Therapieoptionen von Aphthen und aphthoiden Läsionen der Mund- und Rachenschleimhaut, Version 2.0, 30.04.2023. Abgerufen am 02.10.2026
  4. Hertrampf K et al.: Oral mucosal changes in seniors: results of the 6th German Oral Health Study (DMS • 6). Quintessence Int 2026;57(Suppl):S76–S81, 14.04.2026. Abgerufen am 02.10.2026
  5. Reichart PA: Oral mucosal lesions in a representative cross-sectional study of aging Germans. Community Dent Oral Epidemiol 2000;28:390–398, 01.10.2000. Abgerufen am 02.10.2026
  6. Kovac-Kovacic M, Skaleric U: The prevalence of oral mucosal lesions in a population in Ljubljana, Slovenia. J Oral Pathol Med 2000;29:331–335, 01.08.2000. Abgerufen am 02.10.2026
  7. Warnakulasuriya S et al.: Oral potentially malignant disorders: A consensus report from an international seminar on nomenclature and classification, convened by the WHO Collaborating Centre for Oral Cancer. Oral Dis 2021, 31.10.2020. Abgerufen am 02.10.2026
  8. Mello FW et al.: Prevalence of oral potentially malignant disorders: A systematic review and meta-analysis. J Oral Pathol Med 2018, 10.05.2018. Abgerufen am 02.10.2026
  9. Aguirre-Urizar JM et al.: Malignant transformation of oral leukoplakia: Systematic review and meta-analysis of the last 5 years. Oral Dis 2021, 18.02.2021. Abgerufen am 02.10.2026
  10. Iocca O et al.: Potentially malignant disorders of the oral cavity and oral dysplasia: A systematic review and meta-analysis of malignant transformation rate by subtype. Head Neck 2020, 05.12.2019. Abgerufen am 02.10.2026
  11. Lorenzo-Pouso AI et al.: Critical update, systematic review, and meta-analysis of oral erythroplakia as an oral potentially malignant disorder. J Oral Pathol Med 2022;51:585–593, 11.05.2022. Abgerufen am 02.10.2026
  12. Lafuente Ibáñez de Mendoza I et al.: Malignant development of proliferative verrucous/multifocal leukoplakia: A critical systematic review, meta-analysis and proposal of diagnostic criteria. J Oral Pathol Med 2022, 24.09.2021. Abgerufen am 02.10.2026
  13. González-Moles MÁ et al.: Worldwide prevalence of oral lichen planus: A systematic review and meta-analysis. Oral Dis 2021, 07.03.2020. Abgerufen am 02.10.2026
  14. González-Moles MÁ, Ramos-García P: An Evidence-Based Update on the Potential for Malignancy of Oral Lichen Planus and Related Conditions: A Systematic Review and Meta-Analysis. Cancers 2024, 31.01.2024. Abgerufen am 02.10.2026
  15. Pereira RDPL et al.: Worldwide prevalence of geographic tongue in adults: A systematic review and meta-analysis. Oral Dis 2023;29:3091–3100, 08.10.2022. Abgerufen am 02.10.2026
  16. Perić M et al.: A Systematic Review of Denture Stomatitis: Predisposing Factors, Clinical Features, Etiology, and Global Candida spp. Distribution. J Fungi 2024;10:328, 17.05.2024. Abgerufen am 02.10.2026
  17. Zentrum für Krebsregisterdaten (RKI): Krebs in Deutschland, Mundhöhle und Rachen (C00–C14), Ausgabe 2025, 02.03.2026. Abgerufen am 02.10.2026
  18. KZBV: Einheitlicher Bewertungsmaßstab für zahnärztliche Leistungen (BEMA), Stand 1. Januar 2026, 01.01.2026. Abgerufen am 02.10.2026
  19. BZÄK: GOZ-Kommentar, GOZ-Nr. 3070 Exzision von Schleimhaut oder Granulationsgewebe, 10.11.2024. Abgerufen am 02.10.2026
  20. BZÄK: GOZ-Kommentar, GOZ-Nr. 3080 Exzision einer Schleimhautwucherung größeren Umfangs, 10.11.2024. Abgerufen am 02.10.2026
  21. Staines K, Greenwood M: Aphthous ulcers (recurrent). BMJ Clin Evid 2015, 26.02.2015. Abgerufen am 02.10.2026
  22. Rivera C et al.: Oral mucosal lesions in a Chilean elderly population: a retrospective study with a systematic review from thirteen countries. J Clin Exp Dent 2017;9:e276–e283, 01.02.2017. Abgerufen am 02.10.2026
  23. Jones AV, Franklin CD: An analysis of oral and maxillofacial pathology found in children over a 30-year period. Int J Paediatr Dent 2006;16:19–30, 01.01.2006. Abgerufen am 02.10.2026