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Rot-weiße Ästhetik 2026: Was Leitlinien und Studien zu Weichgewebe und Frontzahnimplantat sagen

Implikation für den Dental-Unternehmer

  • Befunden Sie vor jedem Frontzahnimplantat Gingivatyp, bukkale Lamelle und Papillen mit Foto und planen Sie bei dünnem Gewebe die Verdickung von Anfang an ein.
  • Weichgewebschirurgie am Implantat ist Privatleistung, Bindegewebe bukkal am Implantat rechnen Sie analog ab und nicht nach GOZ 4133.
  • Rein ästhetische Leistungen dürfen Sie nur auf Verlangen berechnen, mit vorherigem schriftlichem Heil- und Kostenplan nach § 2 Abs. 3 GOZ.
  • Begründen Sie die Verdickung beim Sofortimplantat mit weniger Rezession, ein besserer Ästhetik-Score oder zufriedenere Patienten sind nicht belegt.

Rote und weiße Ästhetik im Überblick. Was die Leitlinien zu Sofortimplantat und Weichgewebe empfehlen, was neue Reviews zeigen und wie Sie nach GOZ abrechnen.

Veröffentlicht 28.09.2026Stand 28.09.20265 Min. LesezeitFachlich geprüft: Dentapal GmbH
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In 2 Minuten

  • Rote Ästhetik meint Gingiva und Papillen, weiße Ästhetik die Zahnkrone. Gemessen wird beides am Implantat oft mit dem Pink und White Esthetic Score (PES/WES, je 0 bis 10 Punkte).
  • Die S3-Leitlinie 083-033 empfiehlt, bei sichtbarem Weichgewebsdefizit oder auf Patientenwunsch eine Verdickung mit Bindegewebe anzubieten. Dem Knochen schadet das nicht, auch nicht bei Sofortimplantation.
  • Die S2k-Leitlinie 083-040 rät bei dünnem Gingivatyp in der ästhetischen Zone zur gleichzeitigen Weich- oder Hartgewebsaugmentation beim Sofortimplantat.
  • Ein Review von 2025 zeigt: Das Transplantat beim Sofortimplantat verringert die Rezession, verbessert aber den PES und die Zufriedenheit der Patienten nicht messbar. Die Evidenz dazu ist schwach.
  • Was Sie jetzt tun sollten: Befunden Sie Gingivatyp und bukkale Lamelle vor der Planung, bieten Sie die Weichgewebsverdickung dokumentiert an und vereinbaren Sie rein ästhetische Leistungen schriftlich nach § 2 Abs. 3 GOZ.

Im sichtbaren Frontzahnbereich entscheidet nicht nur die Krone über das Ergebnis, sondern ebenso das Zahnfleisch darum. Fachleute sprechen von roter Ästhetik (Gingiva, Papillen, Mukosa) und weißer Ästhetik (Form, Farbe und Oberfläche der Zahnkrone). Dieser Überblick fasst zusammen, was die aktuellen Leitlinien und Übersichtsarbeiten dazu sagen, Stand 2026.

So wird Ästhetik gemessen

Am Einzelzahnimplantat hat sich der kombinierte Pink und White Esthetic Score (PES/WES) durchgesetzt, in der Fassung nach Belser (2009):

ScoreBewertet (je 0 bis 2 Punkte)Höchstwert
PES (rot)mesiale Papille, distale Papille, Verlauf der bukkalen Mukosa, Höhe der bukkalen Mukosa, Wurzelwölbung mit Farbe und Textur10
WES (weiß)Zahnform, Umriss und Volumen, Farbton und Helligkeit, Oberflächentextur, Transluzenz und Charakteristik10

In der Studie von Belser mit 45 früh gesetzten Frontzahnimplantaten lag der PES im Mittel bei 7,8 und der WES bei 6,9. Am schwierigsten war die Wurzelwölbung mit Farbe und Textur des Weichgewebes, die distale Papille schnitt schlechter ab als die mesiale.

Warum das für Sie zählt

Der PES/WES ist ein Studienwerkzeug, eignet sich aber auch für die eigene Dokumentation. Ein Foto vor und nach der Behandlung mit Score schützt Sie, wenn ein Patient später mit dem ästhetischen Ergebnis unzufrieden ist.

Rote Ästhetik am Implantat: die Leitlinien

S3-Leitlinie Periimplantäre Weichgewebsaugmentation (083-033)

Federführend sind DGI und DGZMK, beteiligt waren unter anderem BZÄK, KZBV und die DGÄZ. Die Leitlinie trifft zwei Empfehlungen, beide mit Empfehlungsgrad B („sollte“) und starkem Konsens:

  • Weichgewebsdicke: Eine Verdickung mit autologem Bindegewebe hat keinen negativen Effekt auf den Knochenabbau, auch nicht bei Sofortimplantation. Sie sollte bei objektivierbarem Weichgewebsdefizit und/oder auf Patientenwunsch zur Verbesserung der Ästhetik angeboten werden. Laut Leitlinie verbesserten sich die ästhetischen Parameter in allen ausgewerteten Studien.
  • Keratinisierte Mukosa: Eine Verbreiterung mit autologem Schleimhauttransplantat erhöht den Knochenabbau nicht. Sie sollte wegen der besseren Hygienefähigkeit angeboten werden, vor allem bei schmaler oder fehlender keratinisierter Mukosa.
Gültigkeit beachten

Die Leitlinie trägt den Stand Mai 2021. Sie wurde bis Mai 2026 verlängert und ist damit inzwischen abgelaufen. Ihre Aussagen bleiben der beste deutsche Konsens, achten Sie aber auf eine Neufassung.

S2k-Leitlinie Implantationszeitpunkte (083-040)

Die Leitlinie ist bis Dezember 2027 gültig. Für die ästhetische Zone sind diese Empfehlungen wichtig:

  • Die Sofortimplantation ist komplex und erfordert Erfahrung. Die Indikation soll in jedem Fall individuell gestellt werden.
  • In der Oberkieferfront sollte das Implantat palatinal orientiert gesetzt werden.
  • Bei dickem Gingivatyp, intakter bukkaler Lamelle über 1 mm und einem Spalt unter 2 mm zwischen Implantat und Lamelle kann auf eine gleichzeitige Augmentation verzichtet werden.
  • Bei dünnem Gingivatyp, dünner Lamelle und vertikalem Defizit in der ästhetischen Zone sollte gleichzeitig weich- und/oder hartgewebig augmentiert werden.
  • Wenn eine Sofortimplantation nicht in Frage kommt, kann die Frühimplantation nach Abheilung des Weichgewebes empfohlen werden. Bei Spätimplantation sollte der Alveolarkamm nach der Extraktion erhalten werden (Socket bzw. Ridge Preservation).

Was neue Übersichtsarbeiten zeigen

Weichgewebe beim Sofortimplantat. Ein systematischer Review von Lambert und Kollegen (Periodontology 2000, 2025) wertete 11 Studien mit 421 Implantaten aus. Ergebnis:

  • Das zusätzliche Transplantat verringerte die bukkale Rezession, im Mittel um 0,38 mm.
  • Beim PES gab es keinen messbaren Unterschied zur Gruppe ohne Transplantat.
  • Die Patienten waren in beiden Gruppen sehr zufrieden (8,4 bis 9,4 von 10).
  • Die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz ist niedrig (Rezession) bis sehr niedrig (Ästhetik-Scores).

Rezessionsdeckung am natürlichen Zahn. Der Cochrane-Review von Chambrone (2018, 48 randomisierte Studien) sieht das Bindegewebstransplantat mit koronalem Verschiebelappen als Standard, wenn Deckung und mehr keratinisierte Gingiva das Ziel sind. Ein Review von Cairo und Kollegen (2025, 50 randomisierte Studien) bestätigt: Zweischichtige Techniken mit Bindegewebe schneiden bei der ästhetischen Bewertung durch Behandler und Patienten besser ab als der Lappen allein.

Einordnung: Die Verdickung des Weichgewebes ist gut belegt, wenn es um Stabilität und Rezession geht. Dass sie den Gesamteindruck im Score oder für den Patienten verbessert, ist beim Sofortimplantat nicht sicher gezeigt. Viele Studien sind klein und aus spezialisierten Zentren. Die Volltexte haben wir nicht ausgewertet, die Angaben stammen aus den Abstracts bzw. der Zusammenfassung des Reviews.

Weiße Ästhetik: Krone und Abutment

Für die weiße Ästhetik zählen Werkstoff, Farbe und Form der Krone. Was die Leitlinie zu vollkeramischen Kronen empfiehlt und wie Lithiumdisilikat und Zirkonoxid in neuen Meta-Analysen abschneiden, lesen Sie im Artikel Vollkeramische Kronen und Brücken. Wie Form und Material des Abutments das Weichgewebe beeinflussen, behandelt der Übersichtsartikel zum Abutmentdesign.

Die Position des Implantats bestimmt beides, rot und weiß. Wie Planungssoftware und Bohrschablone dabei helfen, steht im Artikel Digitale Implantologie. Eigengewebe oder Kollagenmatrix im Vergleich: Weichgewebsaugmentation 2026.

Abrechnung

Weichgewebschirurgie in der ästhetischen Zone ist Privatleistung. Implantologische Leistungen zahlt die GKV nur bei Ausnahmeindikationen, und die Rezessionsdeckung gehört nicht zur GKV-Parodontitistherapie (siehe Parodontologie: Abrechnung).

LeistungGOZHinweis laut BZÄK-Kommentar
Bindegewebstransplantat im Zahnzwischenraum4133je Zahnzwischenraum, unabhängig von der Zahl der Transplantate (2,3-fach 113,83 €)
Bindegewebe an anderem Ort (z. B. bukkal am Implantat, zahnloser Bereich)analog, § 6 Abs. 14133 gilt dort nicht
Freies Schleimhauttransplantat4130je Transplantat (2,3-fach 23,28 €)
Kollagenmatrix statt EigengewebeGOÄ 2442unabhängig vom Zielort
Verschiebelappen, z. B. bei Rezessionsdeckung4120je Kieferhälfte oder Frontzahnbereich (2,3-fach 35,57 €)
Keramikveneer2220unabhängig vom Umfang der Präparation (2,3-fach 267,38 €)
Verlangensleistung schriftlich vereinbaren

Geht eine Leistung über das medizinisch Notwendige hinaus, etwa ein rein ästhetischer Eingriff, dürfen Sie sie nur auf Verlangen berechnen (§ 1 Abs. 2 GOZ). Dafür brauchen Sie vorher einen schriftlichen Heil- und Kostenplan mit dem Hinweis, dass es sich um eine Leistung auf Verlangen handelt und die Erstattung möglicherweise nicht gewährleistet ist (§ 2 Abs. 3 GOZ).

Häufige Fragen

Was ist der Pink Esthetic Score?

Ein Punktwert für das Weichgewebe um ein Einzelzahnimplantat. In der Fassung nach Belser (2009) bewerten Sie fünf Merkmale mit je 0 bis 2 Punkten, also höchstens 10 Punkte: mesiale und distale Papille, Verlauf und Höhe der bukkalen Mukosa sowie Wurzelwölbung, Farbe und Textur. Der White Esthetic Score bewertet die Krone genauso mit bis zu 10 Punkten.

Zahlt die gesetzliche Krankenkasse die Weichgewebsverdickung am Implantat?

Nein. Implantologische Leistungen sind außer bei Ausnahmeindikationen keine Kassenleistung, die Rezessionsdeckung gehört auch am natürlichen Zahn nicht zur GKV-Parodontitistherapie. Sie rechnen nach GOZ ab.

Mit welcher GOZ-Nummer rechne ich ein Bindegewebstransplantat am Implantat ab?

GOZ 4133 gilt laut BZÄK nur je Zahnzwischenraum. Wird das Bindegewebe an einen anderen Ort gelegt, etwa in einen zahnlosen Bereich oder bukkal am Implantat, ist es analog nach § 6 Abs. 1 GOZ zu berechnen. Eine Kollagenmatrix rechnet die BZÄK nach GOÄ 2442.

Quellen

  1. AWMF-Register 083-033, S3-Leitlinie Periimplantäre Weichgewebsaugmentation (Langfassung, Stand Mai 2021, verlängert bis Mai 2026). Abgerufen am 28.09.2026
  2. AWMF-Register 083-040, S2k-Leitlinie Implantationszeitpunkte (Langfassung, Stand Dezember 2022, gültig bis Dezember 2027). Abgerufen am 28.09.2026
  3. Lambert F et al.: Esthetic and patient-reported outcomes in immediate implants with adjunctive surgical procedures to increase soft tissue thickness/height. Periodontol 2000 2025;99(1):61-80. Abgerufen am 28.09.2026
  4. Cairo F et al.: Clinician- and patient-reported outcomes following the surgical treatment of single gingival recession defects. Periodontol 2000 2025;99(1):7-20 (PubMed). Abgerufen am 28.09.2026
  5. Chambrone L et al.: Root coverage procedures for treating localised and multiple recession-type defects. Cochrane Database Syst Rev 2018;10:CD007161. Abgerufen am 28.09.2026
  6. Belser UC et al.: Outcome evaluation of early placed maxillary anterior single-tooth implants using pink and white esthetic scores. J Periodontol 2009;80(1):140-151 (PubMed). Abgerufen am 28.09.2026
  7. BZÄK, GOZ-Kommentar Nr. 4133 (Bindegewebstransplantat). Abgerufen am 28.09.2026
  8. BZÄK, GOZ-Kommentar Nr. 4130 (Schleimhauttransplantat). Abgerufen am 28.09.2026
  9. BZÄK, GOZ-Kommentar Nr. 4120 (Verlegen eines gestielten Schleimhautlappens). Abgerufen am 28.09.2026
  10. BZÄK, GOZ-Kommentar Nr. 2220 (Teilkrone, Veneer). Abgerufen am 28.09.2026
  11. Gebührenordnung für Zahnärzte (GOZ), §§ 1 und 2, Textausgabe der BZÄK. Abgerufen am 28.09.2026

Stand: 28.09.2026. Allgemeine Information, keine Beratung im Einzelfall. Regionale Abweichungen der KZVen möglich.

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