Zum Inhalt
Aktuell
Praxis & RechtDental-Influencer: Was Zahnärzte auf Instagram, TikTok und Co. zeigen dürfenWissenschaftKI in der Zahnheilkunde: Röntgen, Dokumentation, Telefon und Abrechnung im CheckJournal of Clinical PeriodontologyStudie der Woche: Gingivitis – was Instruktion, Motivation und elektrische Zahnbürste bringenWissenschaftMedikamente und Zahnbehandlung: Was kritisch ist, mit Such-FinderDeutscher BundestagWer macht Zahnpolitik? Akteure und Entscheidungen 2026Praxis & RechtRevenue Streams in der Zahnarztpraxis: Umsatzbringer und UmsatzkillerWissenschaftMundschleimhaut 2026: die häufigsten Veränderungen, mit Befund-FilterAnbieter & MarktDentaldepot oder Online-Marktplatz: Wohin entwickelt sich der Einkauf der Praxis?
Magazin für Dental-UnternehmerExterne Abrechnung suchen
Wissenschaft

Abutmentdesign: Bauformen, Material, Evidenz und Abrechnung

Implikation für den Dental-Unternehmer

  • Jeder Wechsel von Aufbauteilen ist je Sitzung eine GOZ 9050 (40,49 € bei 2,3-fach, bis dreimal je Implantat), dazu Aufbauteile und Labor nach § 9 GOZ.
  • Legen Sie Abutment, Höhe und Befestigung, möglichst verschraubt, schon in der Planung mit dem Labor fest, das vermeidet zusätzliche Wechsel und Nacharbeit.
  • Bei Kassenpatienten ist die Suprakonstruktion meist andersartig und wird nach GOZ berechnet, Regelversorgung sind nur zwei Befundsituationen.

Konfektioniert oder individuell, Titan oder Zirkon, verschraubt oder zementiert. Was die Studienlage zum Abutment sagt und wie Sie Aufbauteile nach GOZ und im Festzuschuss abrechnen.

Veröffentlicht 28.09.2026Stand 28.09.20267 Min. LesezeitFachlich geprüft: Dentapal GmbH
Artikel teilen

In 2 Minuten

  • Das Abutment verbindet Implantat und Krone. Es gibt konfektionierte und individuelle Abutments, dazu Hybridabutments aus Titanbasis (Ti-Base) und Keramik.
  • Zirkon und Titan überleben in Übersichtsarbeiten ähnlich gut. Zirkon ist bei dünner Schleimhaut ästhetisch im Vorteil, Titan im Seitenzahnbereich mechanisch robuster.
  • Abutments mit mindestens 2 mm Höhe und ein früh eingesetztes, nicht mehr gewechseltes Abutment gehen in Reviews mit weniger Knochenabbau einher.
  • Abrechnung privat: Krone auf Implantat nach GOZ 2200, Wechsel von Aufbauteilen nach GOZ 9050 (bis dreimal je Implantat). Implantatteile und Laborkosten kommen dazu.
  • Was Sie jetzt tun sollten: Legen Sie Abutment, Höhe und Befestigungsart schon bei der Planung fest und berechnen Sie Aufbauteile und Laborleistung vollständig.

Das Abutment entscheidet mit darüber, wie Schleimhaut und Knochen um ein Implantat stabil bleiben und wie gut die Krone aussieht. Dieser Beitrag fasst Bauformen, Material, Designregeln und Studienlage zusammen und zeigt, wie Sie Aufbauteile abrechnen. Wie Sie Implantate digital planen, lesen Sie in „Digitale Implantologie“.

Take-home-Messages

  • Planung: Das Abutment gehört in die Planung, nicht erst in die Prothetik. Implantatposition, Schleimhautdicke und Befestigung bestimmen, welches Abutment passt.
  • Material: Titan und Zirkon halten ähnlich gut. Zirkon lohnt sich vor allem im Frontzahnbereich bei dünner Schleimhaut. Mehr dazu in „Rot-weiße Ästhetik 2026“.
  • Höhe und Wechsel: Abutments ab 2 mm Höhe und möglichst wenige Wechsel schonen laut Reviews den Knochen.
  • Zement: Zementreste unter der Schleimhaut sind ein Risiko. Verschrauben Sie, wo es geht, oder legen Sie die Zementfuge gut erreichbar.
  • Geld: Aufbauteile, Wechsel und Laborleistung sind gesondert berechnungsfähig und werden oft vergessen.

Bauteile und Begriffe

BauteilWofür
VerschlussschraubeVerschließt das Implantat während der geschlossenen Einheilung
GingivaformerFormt die Schleimhaut nach der Freilegung oder bei offener Einheilung
Abformpfosten, ScanbodyÜberträgt die Implantatposition in die Abformung oder den Intraoralscan
AbutmentDefinitives Verbindungsteil zwischen Implantat und Krone oder Brücke
Hybridabutment (Ti-Base)Titanbasis, auf die ein individuell gefrästes Keramikteil geklebt wird
Multi-Unit-AbutmentGleicht Achsen aus, für verschraubte Brücken und Stege
Kugelkopf, Locator, StegHalten herausnehmbaren Zahnersatz auf Implantaten

Konfektioniert oder individuell?

Konfektioniertes AbutmentIndividuelles Abutment (CAD/CAM)
HerstellungSerienteil des ImplantatherstellersIm Labor oder Fräszentrum für den einzelnen Fall konstruiert und gefräst
DurchtrittsprofilRund, vorgegebenFolgt dem Verlauf der Schleimhaut
ZementfugeFeste Höhe, oft tief unter der SchleimhautFrei wählbar, meist knapp unter dem Schleimhautrand
AchsausgleichBegrenzt, über abgewinkelte VariantenFrei gestaltbar
EinsatzGute Implantatposition, SeitenzahnbereichÄsthetische Zone, schwierige Achsen, dicke Schleimhaut

Der Weg zum individuellen Abutment ist heute meist digital: Scanbody scannen, Abutment und Krone in der Laborsoftware konstruieren, fräsen und auf die Titanbasis kleben. Geräte und Software dafür stellt der „Marktüberblick digitale Zahnheilkunde“ vor. Provisorische Kronen auf Ti-Base drucken manche Praxen selbst, siehe „3D-Drucker in der Zahnarztpraxis“.

Original oder Fremdteil

Verwenden Sie Implantat, Titanbasis und Schraube in der Kombination, die der Hersteller freigibt. Fremdteile können passen, sind aber nicht als Kombination geprüft.

Individuelles Abutment ist eine Sonderanfertigung

Ein Abutment, das für einen bestimmten Patienten konstruiert, gefräst oder auf die Ti-Base geklebt wird, ist eine Sonderanfertigung nach Art. 2 Nr. 3 MDR. Wie es hergestellt wird, spielt keine Rolle. Wer das in der Praxis selbst macht, ist Hersteller und stellt die Erklärung nach Anhang XIII MDR aus. Macht es das Labor, liefert das Labor die Erklärung. Ein unverändert eingesetztes Standardabutment ist ein Serienprodukt, dafür brauchen Sie keine eigene Erklärung. Die Pflichten beschreibt der Beitrag „3D-Drucker in der Zahnarztpraxis“.

Material

MaterialStärkenGrenzen
TitanSehr bruchfest, lange Erfahrung, günstigKann bei dünner Schleimhaut grau durchscheinen
Zirkonoxid (einteilig)Zahnähnliche Farbe, gute WeichgewebsreaktionBruchrisiko bei hoher Last, Verschleiß an der Titanverbindung im Implantat
Hybrid (Zirkon oder Lithiumdisilikat auf Ti-Base)Ästhetik der Keramik plus Titan in der VerbindungKlebefuge als zusätzliche Schwachstelle, Klebeprotokoll muss stimmen

Worauf es beim Design ankommt

  • Abutmenthöhe: Mehrere Reviews zeigen weniger marginalen Knochenabbau bei Abutments mit mindestens 2 mm Höhe im Schleimhautbereich, vor allem bei Bone-Level-Implantaten.
  • Wenige Wechsel: Jedes Abnehmen und Wiedereinsetzen stört die Schleimhautmanschette. Setzen Sie das definitive Abutment früh ein und wechseln Sie es nicht mehr, wenn der Fall es erlaubt („One Abutment, One Time“).
  • Durchtrittsprofil: Eher schlank und im unteren Bereich leicht konkav, damit Schleimhaut Platz hat. Ein stark ausladendes Profil kann auf die Schleimhaut drücken. Die S3-Leitlinie 083-023 nennt überkonturierte Versorgungen mit konvexem Emergenzprofil und einem Emergenzwinkel ab 30 Grad als Risikofaktor für periimplantäre Infektionen.
  • Zementfuge: Höchstens knapp unter dem Schleimhautrand, damit Sie Zementreste sicher entfernen können.
  • Achse: Weicht die Implantatachse ab, helfen abgewinkelte Abutments oder abgewinkelte Schraubkanäle. So bleibt die Krone oft verschraubbar.

Verschraubt oder zementiert?

VerschraubtZementiert
VorteilAbnehmbar, keine ZementresteKein Schraubkanal in der Kaufläche, einfacher bei schwieriger Achse
NachteilSchraubenlockerung, Chipping am SchraubkanalZementreste unter der Schleimhaut, schwer abnehmbar
StudienlageMehr technische KomplikationenMehr biologische Komplikationen

Reviews zeigen dieses Muster immer wieder. Für die Praxis heißt das: Verschrauben Sie, wo Achse und Ästhetik es zulassen. Wenn Sie zementieren, dann auf einem individuellen Abutment mit gut erreichbarer Zementfuge.

Die S3-Leitlinie 083-023 zu periimplantären Infektionen zählt residuale Zementreste ausdrücklich zu den gut untersuchten lokalen Risikofaktoren. Was neue Studien dazu zeigen und wie Sie Reste vermeiden, lesen Sie in „Zementitis an Implantaten: Update 2026“.

Was die Evidenz sagt

  • Titan gegen Zirkon: Ein Umbrella Review von 2025 mit 14 systematischen Reviews findet ähnliche Überlebensraten von rund 98 bis 99 Prozent. Zirkon zeigt eine bessere Schleimhautfarbe, besonders bei dünner Schleimhaut unter 2 mm. Beim Knochen und bei der Sondierungstiefe gibt es kaum Unterschiede.
  • Abutmenthöhe: Eine Übersicht von 2026 über fünf Meta-Analysen sieht einen Trend zu weniger Knochenabbau bei Abutments ab 2 mm. Eine Meta-Analyse von 2024 kommt für Bone-Level-Implantate zum selben Ergebnis.
  • One Abutment, One Time: Meta-Analysen randomisierter Studien zeigen etwas weniger Knochenabbau als beim wiederholten Wechsel. Der Unterschied liegt im Bereich von Zehntelmillimetern, einzelne Studien finden keinen Unterschied.
  • Verschraubt gegen zementiert: Keine Befestigungsart ist klar überlegen. Zementiert hat mehr biologische, verschraubt mehr technische Probleme.
  • Leitlinie und Cochrane: Eine deutsche Leitlinie zum Abutmentdesign gibt es nicht. Einen aktuellen Cochrane-Review zu Abutmentmaterial oder -höhe haben wir nicht gefunden.

Unsere Einordnung: Die Unterschiede sind meist klein und die Studien oft kurz. Für den Alltag zählen vor allem eine gute Implantatposition, ausreichend dicke Schleimhaut und ein Design, das sich sauber reinigen lässt.

Was Sie abrechnen können

Privat (GOZ)

GOZ-Nr.LeistungPunkte2,3-fach
GOZ 9040Freilegen eines Implantats und Einfügen von Aufbauelementen (z. B. Gingivaformer), zweiphasiges System62680,98 €
GOZ 9050Entfernen und Wiedereinsetzen sowie Auswechseln von Aufbauelementen, zweiphasiges System31340,49 €
GOZ 2200Versorgung eines Zahnes oder Implantats durch eine Vollkrone1322171,01 €
  • 9050: Aufbauelemente sind laut BZÄK Gingivaformer, Abformpfosten und Abutments. Nicht neben 9010 und 9040, höchstens einmal je Sitzung und dreimal je Implantat. Nicht bei einteiligen Implantaten.
  • 2200: Die Krone auf dem Implantat berechnen Sie nach 2200, auch wenn Sie das Abutment nicht präparieren. Verschrauben und Verschluss des Schraubkanals sind enthalten.
  • Material und Labor: Implantatteile sind nach den Allgemeinen Bestimmungen zu Abschnitt K gesondert berechnungsfähig. Individuelle Abutments und Kronen berechnen Sie als Laborleistung nach § 9 GOZ.
Oft vergessen

Der Wechsel vom Gingivaformer auf den Abformpfosten und später auf das Abutment ist je Sitzung eine 9050. Berechnen Sie zusätzlich die Aufbauteile selbst und die Abformung.

Kassenpatienten (Festzuschuss)

  • Grundregel: Bei der Erstversorgung mit Implantaten gibt es den Festzuschuss für die Befundsituation vor dem Setzen der Implantate (Festzuschuss-Richtlinie, Vorbemerkung Nr. 6).
  • Regelversorgung: Suprakonstruktionen sind nur in zwei Fällen Regelversorgung (Zahnersatz-Richtlinie Nr. 36): zahnbegrenzte Einzelzahnlücke mit gesunden Nachbarzähnen und atrophierter zahnloser Kiefer. Sonst gilt die Versorgung als andersartig und wird nach GOZ berechnet.
  • Erneuerung: Für die Erneuerung und Wiederherstellung vorhandener Suprakonstruktionen gibt es eigene Festzuschüsse in Befundklasse 7, etwa 7.1 für die implantatgetragene Einzelkrone.
  • Ab 2027: Die Festzuschüsse sinken prozentual, siehe „Festzuschüsse Zahnersatz 2026/2027“.

Mehr zur Implantatabrechnung finden Sie unter „Implantologie: Abrechnung im Überblick“.

Häufige Fragen

Ist ein individuelles Abutment immer besser als ein konfektioniertes?

Nein. Ein individuelles Abutment lohnt sich, wenn Implantatachse, Schleimhautverlauf oder Ästhetik ein eigenes Durchtrittsprofil verlangen oder wenn Sie die Zementfuge nahe an die Schleimhaut legen wollen. Bei guter Implantatposition im Seitenzahnbereich reicht oft ein Standardabutment.

Darf ich Abutments eines Fremdherstellers auf ein Markenimplantat setzen?

Technisch geht das bei vielen Systemen. Sie verlassen damit aber meist die vom Implantathersteller geprüfte Kombination. Klären Sie das vor der Planung mit Labor und Hersteller.

Kann ich GOZ 9050 bei der Eingliederung der Krone berechnen?

Ja, wenn Sie dabei Aufbauteile entfernen, wiedereinsetzen oder wechseln, etwa den Gingivaformer gegen das Abutment. Die Nummer ist nicht neben 9010 und 9040 berechnungsfähig, höchstens einmal je Sitzung und dreimal je Implantat.

Gibt es eine Leitlinie zum Abutmentdesign?

Eine eigene deutsche Leitlinie zum Abutment haben wir nicht gefunden. Die Aussagen in diesem Beitrag stützen sich auf systematische Reviews.

Quellen

  1. BZÄK, GOZ-Kommentar Abschnitt K (Allgemeine Bestimmungen, Implantatteile gesondert berechnungsfähig). Abgerufen am 28.09.2026
  2. BZÄK, GOZ-Kommentar Nr. 9040. Abgerufen am 28.09.2026
  3. BZÄK, GOZ-Kommentar Nr. 9050. Abgerufen am 28.09.2026
  4. BZÄK, GOZ-Kommentar Nr. 2200. Abgerufen am 28.09.2026
  5. BZÄK, Arzneimittel und Medizinprodukte: VDDI-Positionspapier zum Umgang mit Sonderanfertigungen nach MDR (23.02.2018, mit Statement der EU-Kommission vom 12.09.2017). Abgerufen am 28.09.2026
  6. Verordnung (EU) 2017/745 über Medizinprodukte (MDR), Art. 2 Nr. 3 und Anhang XIII. Abgerufen am 28.09.2026
  7. § 9 GOZ, Ersatz von Auslagen für zahntechnische Leistungen. Abgerufen am 28.09.2026
  8. G-BA, Festzuschuss-Richtlinie, in Kraft ab 01.01.2026 (Vorbemerkung Nr. 6, Befundklasse 7). Abgerufen am 28.09.2026
  9. G-BA, Zahnersatz-Richtlinie (Nr. 36, Suprakonstruktionen). Abgerufen am 28.09.2026
  10. AWMF-Register 083-023, S3-Leitlinie Die Behandlung periimplantärer Infektionen an Zahnimplantaten (Langfassung, Stand Dezember 2022), Kapitel 5.1. Abgerufen am 28.09.2026
  11. Umbrella Review: Zirconia abutments, biological, mechanical, and esthetic considerations (Dental Research Journal 2025). Abgerufen am 28.09.2026
  12. Meta-Analyse randomisierter Studien zu Zirkonabutments (2023, PubMed). Abgerufen am 28.09.2026
  13. Tajti et al., Less marginal bone loss around bone-level implants restored with long abutments (Periodontology 2000, 2024). Abgerufen am 28.09.2026
  14. Übersicht systematischer Reviews zur Abutmenthöhe und zum marginalen Knochenabbau (Odontology 2026, PubMed). Abgerufen am 28.09.2026
  15. Systematischer Review mit Meta-Analyse: One-Abutment-One-Time gegenüber konventionellem Protokoll (2025, PubMed). Abgerufen am 28.09.2026
  16. Systematischer Review: Zementierte gegenüber verschraubten Einzelkronen aus Zirkon auf Implantaten (2025, PMC). Abgerufen am 28.09.2026

Stand: 28.09.2026. Allgemeine Information, keine Beratung im Einzelfall. Regionale Abweichungen der KZVen möglich.

War dieser Artikel hilfreich?
Artikel teilen

Weiterlesen