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Zementitis an Implantaten: Update 2026

Implikation für den Dental-Unternehmer

  • Reste an 39 von 40 Abutments zeigen: Verschraubte Versorgungen und Ränder auf Schleimhautniveau ersparen Ihnen aufwendige Folgebehandlungen.
  • Prüfen Sie Ihr Zementprotokoll, Glasionomer hinterließ in der randomisierten Studie von 2026 deutlich weniger Reste als Komposit.
  • Kontrollieren Sie jede zementierte Implantatkrone beim ersten Recall auf Blutung und Eiter, als festen Schritt in Ihrem Recall-Ablauf.
  • Abnahme, Wechsel der Aufbauteile und Wiederbefestigung rechnen Sie einzeln nach GOZ 2290, 9050 und 2310 ab, die Periimplantitistherapie analog.

Zementreste unter der Schleimhaut sind ein anerkannter Risikofaktor für Periimplantitis. Was Leitlinie und neue Studien sagen, wie Sie Reste vermeiden und wie Sie die Behandlung abrechnen.

Veröffentlicht 28.09.2026Stand 28.09.20265 Min. LesezeitFachlich geprüft: Dentapal GmbH
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In 2 Minuten

  • Die S3-Leitlinie 083-023 zählt residuale Zementreste zu den gut untersuchten lokalen Risikofaktoren für periimplantäre Infektionen.
  • Reste entstehen fast immer: In einer randomisierten Studie von 2026 blieben an 39 von 40 Abutments Zementreste zurück, bei Komposit deutlich mehr als bei Glasionomerzement.
  • Werden Zementreste entfernt, klingen Entzündungszeichen oft ab. In der Studie von Wilson (2009) waren 74 Prozent der betroffenen Implantate danach ohne Entzündungszeichen.
  • Abrechnung privat: Krone abnehmen GOZ 2290, Aufbauteile wechseln GOZ 9050, Krone wieder befestigen GOZ 2310. Die Periimplantitistherapie selbst wird analog berechnet.
  • Was Sie jetzt tun sollten: Verschrauben Sie, wo es geht. Wenn Sie zementieren, legen Sie den Kronenrand auf Schleimhautniveau, nehmen wenig Zement und prüfen Sie Ihr Zementprotokoll.

„Zementitis“ nennt man die Entzündung um ein Implantat, die von Zementresten unter der Schleimhaut ausgeht. Das Thema ist seit über 15 Jahren bekannt. Dieses Update fasst zusammen, was die Leitlinie sagt, was neue Studien bis 2026 zeigen und was Sie in der Praxis tun können. Wie Sie Abutment und Befestigung planen, lesen Sie in „Abutmentdesign“.

Take-home-Messages

  • Risikofaktor: Die deutsche S3-Leitlinie zählt Zementreste zu den gut untersuchten lokalen Risikofaktoren für periimplantäre Infektionen.
  • Reste sind die Regel: Selbst unter Studienbedingungen blieben 2026 an fast allen Abutments Zementreste zurück.
  • Entfernen hilft: Nach Entfernung der Reste klingen Entzündungszeichen oft ab.
  • Vorbeugen: Verschrauben, wo es geht. Beim Zementieren Kronenrand auf Schleimhautniveau, wenig Zement, gut zugängliche Ränder.
  • Geld: Abnehmen, Wechseln und Wiederbefestigen sind eigene GOZ-Leistungen. Die Periimplantitistherapie wird analog berechnet.

Was die Leitlinie sagt

Die S3-Leitlinie „Die Behandlung periimplantärer Infektionen an Zahnimplantaten“ (AWMF 083-023, gültig bis Dezember 2027) nennt im Hintergrundkapitel drei gut untersuchte lokale Risikofaktoren: fehlende oder schmale keratinisierte Mukosa (unter 2 mm), residuale Zementreste und überkonturierte Versorgungen mit konvexem Emergenzprofil und einem Emergenzwinkel ab 30 Grad. Eine eigene Empfehlung zur Befestigung enthält die Leitlinie nicht. Mehr zur Behandlung nach der Leitlinie lesen Sie in „Periimplantitis und Implantologie“.

Der internationale Workshop von 2017 (AAP und EFP) war vorsichtiger. Er sah für submuköse Zementreste als Risikofaktor der Periimplantitis nur begrenzte Evidenz. Auch die europäische S3-Leitlinie der EFP (2023) wertet lokale Faktoren wie Zementreste als weniger gut belegt als etwa eine Parodontitis in der Vorgeschichte oder schlechte Plaquekontrolle.

Was die Studien zeigen

StudieArtErgebnis
Wilson 2009Prospektiv, EndoskopieZementreste bei 81 % der Fälle mit Entzündungszeichen. Nach Entfernung bei 74 % keine Entzündungszeichen mehr
Staubli 2017Systematischer Review, 1.010 zementierte VersorgungenPeriimplantäre Erkrankung bei 1,9 bis 75 %, davon 33 bis 100 % mit Zementresten. Häufiger bei Einheilzeit der Schleimhaut unter 4 Wochen
Korsch 2018Beobachtungsstudie, 34 PatientenMethacrylatzement: Überschuss bei 60 %, Eiteraustritt an allen Implantaten mit Überschuss. Zinkoxid-Eugenol-Zement: weder Überschuss noch Eiter
Montevecchi 2025Querschnitt, Endoskopie, 46 Patienten mit periimplantärer ErkrankungZementreste bei 80,4 %, überwiegend vestibulär und lingual (88 %)
Reis 2025Meta-Analyse, 6 randomisierte StudienZementiert gegen verschraubt: kein signifikanter Unterschied bei Mukositis und Periimplantitis
Weinreuter 2026Randomisierte Studie, 40 Patienten, individuelle KeramikabutmentsReste an 39 von 40 Abutments. Komposit hinterließ deutlich mehr als Glasionomer. Längere Liegezeit (4 Wochen) verringerte die Reste nicht

Unsere Einordnung: Dass Zementreste Entzündungen fördern, ist gut belegt. Wie oft daraus eine Periimplantitis wird, ist unsicher. Die Meta-Analyse randomisierter Studien findet zwischen zementierten und verschraubten Kronen keinen Unterschied, sie umfasst aber nur sechs Studien mit meist kurzer Laufzeit. Neu und praxisrelevant ist die randomisierte Studie von 2026: Selbst bei individuellen Abutments bleiben fast immer Reste. Die Zementwahl zählt, Glasionomer schnitt besser ab als Komposit. Einen Cochrane-Review zu Zementresten gibt es nicht.

Zementreste vermeiden

  • Verschrauben, wo es geht. Abgewinkelte Schraubkanäle erweitern die Möglichkeiten, siehe „Abutmentdesign“.
  • Kronenrand auf Schleimhautniveau. Der systematische Review von 2017 empfiehlt einen Kronenrand auf Höhe des Schleimhautrands mit ausreichendem Zugang. Das gelingt meist nur mit individuellem Abutment.
  • Wenig Zement. In Laborstudien verringerten ein extraorales Replika-Verfahren (Krone auf einem Abutment-Duplikat vorab auspressen) und ein freier Raum von 2 mm im Schraubkanal den Überschuss deutlich. Das sind Laborergebnisse, klinisch nicht bestätigt.
  • Zementwahl prüfen. Nach aktueller Studienlage hinterlässt Glasionomer weniger Reste als Komposit. Röntgenopake Zemente erleichtern die Kontrolle.
  • Kontrolle. Röntgenkontrolle nach dem Zementieren, Sondierung und Blutung beim ersten Recall. Ein unauffälliges Röntgenbild schließt Reste nicht aus.
Frühe Belastung

Zementreste waren im Review von 2017 häufiger, wenn die Schleimhaut weniger als vier Wochen einheilen konnte. Bei Sofortversorgung ist das Risiko also höher. Hier spricht besonders viel für eine verschraubte Versorgung.

Wenn es schon passiert ist

  1. Verdacht: Blutung oder Eiter bei Sondierung, erhöhte Sondierungstiefen an einer zementierten Krone, typischerweise Wochen bis Monate nach der Eingliederung.
  2. Abnehmen: Wenn möglich Krone oder Suprakonstruktion abnehmen. Die Leitlinie weist darauf hin, dass sich die Befunde nach Abnahme genauer bestimmen lassen.
  3. Reste entfernen und Periimplantitis behandeln: Nach der S3-Leitlinie, bei Knochenabbau oft chirurgisch mit Sicht auf die Oberfläche.
  4. Neu versorgen: Bevorzugt verschraubt oder mit gut erreichbarer Zementfuge.

Was Sie abrechnen können

Privat (GOZ)

GOZ-Nr.LeistungPunkte2,3-fach
GOZ 2290Entfernung einer Krone, eines Brückenankers oder Ähnliches, auch Aufbauelemente von Implantaten18023,28 €
GOZ 9050Entfernen und Wiedereinsetzen sowie Auswechseln von Aufbauelementen, zweiphasiges System31340,49 €
GOZ 2310Wiedereingliederung einer Krone14518,76 €
  • 2290: Laut BZÄK auch für zementierte, adhäsiv befestigte und verschraubte Rekonstruktionen sowie Aufbauelemente von Implantaten.
  • 2310: Reinigung und Zemententfernung an der Krone sind enthalten. Die Wiederbefestigung der Krone beim Auswechseln eines Implantataufbauteils ist laut BZÄK nach 2310 berechnungsfähig.
  • Periimplantitis, nichtchirurgisch: In der GOZ nicht beschrieben (Beratungsforum Beschluss Nr. 60), daher Analogberechnung nach § 6 Abs. 1 GOZ.
  • Periimplantitis, offen: Ebenfalls analog nach § 6 Abs. 1 GOZ. PKV-Verband und Beihilfe empfehlen laut BZÄK je nach Lage GOZ 4090 oder 4100 als Analogposition.

Kassenpatienten: Implantatleistungen und Periimplantitistherapie sind außerhalb der Ausnahmeindikationen keine Kassenleistung. Sie werden privat nach GOZ vereinbart. Mehr dazu in „Implantologie: Abrechnung im Überblick“.

Häufige Fragen

Was ist Zementitis?

Umgangssprachlich die Entzündung um ein Implantat, die von Zementresten unter der Schleimhaut ausgeht. Zement ist rau, darauf siedelt sich Biofilm an. Es entsteht eine Mukositis, später eine Periimplantitis mit Knochenabbau.

Sieht man Zementreste im Röntgenbild?

Nicht zuverlässig. Wie gut Zement röntgensichtbar ist, hängt stark vom Material ab. Kleine Reste und Reste auf der Vestibulär- oder Lingualseite entgehen dem Zahnfilm leicht. Ein unauffälliges Röntgenbild schließt Zementreste nicht aus.

Welcher Zement ist am besten?

Einen klaren Sieger gibt es nicht. In einer randomisierten Studie von 2026 blieb bei Glasionomerzement weniger Überschuss als bei Kompositzement. Beobachtungsstudien sahen bei Zinkoxid-Eugenol-Zement weniger Überschuss und weniger Entzündung als bei einem Methacrylatzement. Entscheidend sind wenig Zement, gut erreichbare Ränder und saubere Entfernung.

Zahlt die Krankenkasse die Behandlung?

Periimplantitisbehandlung gehört außerhalb der Ausnahmeindikationen nicht zum Leistungskatalog der GKV. Sie wird nach GOZ privat berechnet.

Quellen

  1. AWMF-Register 083-023, S3-Leitlinie Die Behandlung periimplantärer Infektionen an Zahnimplantaten (Langfassung, Stand Dezember 2022), Kapitel 5.1. Abgerufen am 28.09.2026
  2. Herrera et al., Prevention and treatment of peri-implant diseases – The EFP S3 level clinical practice guideline (J Clin Periodontol 2023). Abgerufen am 28.09.2026
  3. Weinreuter et al., Residual cement excess of composite versus glass ionomer cement in implant-supported single crowns (Clin Oral Implants Res 2026, RCT). Abgerufen am 28.09.2026
  4. Montevecchi et al., Excess cement and peri-implant disease: a cross-sectional clinical endoscopic study (J Periodontol 2025). Abgerufen am 28.09.2026
  5. Reis et al., Incidence of peri-implant disease associated with cement- and screw-retained implant-supported prostheses: systematic review and meta-analysis (J Prosthet Dent 2025). Abgerufen am 28.09.2026
  6. Staubli et al., Excess cement and the risk of peri-implant disease – a systematic review (Clin Oral Implants Res 2017). Abgerufen am 28.09.2026
  7. Schwarz et al., Peri-implantitis (World Workshop 2017, J Clin Periodontol 2018). Abgerufen am 28.09.2026
  8. Wilson, The positive relationship between excess cement and peri-implant disease: a prospective clinical endoscopic study (J Periodontol 2009). Abgerufen am 28.09.2026
  9. Korsch et al., Impact of dental cement on the peri-implant biofilm (Clin Implant Dent Relat Res 2018). Abgerufen am 28.09.2026
  10. Düzgün et al., Effect of cementation technique and cement type on the amount of excess cement (J Prosthet Dent 2025, in vitro). Abgerufen am 28.09.2026
  11. Al Amri et al., Influence of space size of abutment screw access channel on extruded excess cement (J Prosthet Dent 2018, in vitro). Abgerufen am 28.09.2026
  12. BZÄK, GOZ-Kommentar Nr. 2290. Abgerufen am 28.09.2026
  13. BZÄK, GOZ-Kommentar Nr. 2310. Abgerufen am 28.09.2026
  14. BZÄK, GOZ-Kommentar Nr. 4070 (Beratungsforum Beschluss Nr. 60). Abgerufen am 28.09.2026
  15. BZÄK, GOZ-Kommentar Nr. 4090. Abgerufen am 28.09.2026

Stand: 28.09.2026. Allgemeine Information, keine Beratung im Einzelfall. Regionale Abweichungen der KZVen möglich.

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