Zum Inhalt
Aktuell
Praxis & RechtDental-Influencer: Was Zahnärzte auf Instagram, TikTok und Co. zeigen dürfenWissenschaftKI in der Zahnheilkunde: Röntgen, Dokumentation, Telefon und Abrechnung im CheckJournal of Clinical PeriodontologyStudie der Woche: Gingivitis – was Instruktion, Motivation und elektrische Zahnbürste bringenWissenschaftMedikamente und Zahnbehandlung: Was kritisch ist, mit Such-FinderDeutscher BundestagWer macht Zahnpolitik? Akteure und Entscheidungen 2026Praxis & RechtRevenue Streams in der Zahnarztpraxis: Umsatzbringer und UmsatzkillerWissenschaftMundschleimhaut 2026: die häufigsten Veränderungen, mit Befund-FilterAnbieter & MarktDentaldepot oder Online-Marktplatz: Wohin entwickelt sich der Einkauf der Praxis?
Magazin für Dental-UnternehmerExterne Abrechnung suchen
Wissenschaft

Periimplantitis und Implantologie: Was Leitlinien und neue Reviews sagen

Implikation für den Dental-Unternehmer

  • Laser, aPDT, Antiseptika und Antibiotika haben bei Mukositis keinen belegten Zusatznutzen, nehmen Sie sie aus Ihrem Routineablauf.
  • Implantatpatienten nach Mukositis brauchen einen festen Recall, etwa alle drei Monate, planen Sie dafür Prophylaxekapazität ein.
  • Beim Implantieren reicht nach Cochrane eine einmalige präoperative Antibiotikagabe, mehrtägige Nachgaben haben keinen belegten Zusatznutzen.
  • Bieten Sie aPDT bei Periimplantitis nur mit offener Aufklärung über die dünne Datenlage an, Cochrane fand dazu keine Studien.

Die S3-Leitlinie zu periimplantären Infektionen gilt bis 2027. Was sie empfiehlt, was neue Cochrane-Reviews zu Antibiotika und aPDT zeigen und was die Nichtanlagen-Leitlinie 2026 bringt.

Veröffentlicht 28.09.2026Stand 28.09.20264 Min. LesezeitFachlich geprüft: Dentapal GmbH
Artikel teilen

In 2 Minuten

  • Die S3-Leitlinie 083-023 zur Behandlung periimplantärer Infektionen hat den Stand Dezember 2022 und gilt bis Dezember 2027.
  • Bei periimplantärer Mukositis genügt die mechanische Reinigung. Laser, aPDT, Antiseptika, Antibiotika und Probiotika sollten nicht zusätzlich eingesetzt werden.
  • Bei Periimplantitis sollen systemische Antibiotika nicht routinemäßig gegeben werden. Chirurgisch sollten rekonstruktive Verfahren bevorzugt werden, bei strenger Indikation.
  • Ein Cochrane-Review vom September 2026 zeigt, dass eine Antibiotikaprophylaxe beim Setzen von Implantaten Frühverluste wahrscheinlich senkt.
  • Was Sie jetzt tun sollten: Prüfen Sie Ihr Mukositis-Konzept auf Zusatzmaßnahmen ohne Nutzen und legen Sie Recall-Intervalle für Implantatpatienten fest.

Periimplantäre Entzündungen gehören zum Alltag jeder Praxis, die Implantate setzt oder betreut. Die maßgebliche deutsche Leitlinie ist aktuell gültig. Zwei Cochrane-Reviews ergänzen sie, einer davon ist erst im September 2026 erschienen. Dazu kommt eine neue Leitlinie für Patienten mit Zahnnichtanlagen.

Die Leitlinie

Die S3-Leitlinie „Die Behandlung periimplantärer Infektionen an Zahnimplantaten“ (AWMF-Register 083-023) haben DGI und DGZMK federführend erstellt, beteiligt waren unter anderem DG PARO, DGMKG, BZÄK und KZBV. Stand ist der 2. Dezember 2022 (Version 2.0), gültig bis 1. Dezember 2027. Die Leitlinie ist damit aktuell.

Periimplantäre Mukositis: weniger ist mehr

Die Leitlinie spricht sich klar gegen Zusatzmaßnahmen aus. Nach der mechanischen Reinigung sollten nicht eingesetzt werden:

  • Diodenlaser oder antimikrobielle photodynamische Therapie (aPDT),
  • lokale Antiseptika,
  • systemische Antibiotika,
  • Probiotika,
  • häusliche antiseptische Mittel.

Auch Glycinpulver-Air-Polishing oder Chitosan-Bürsten sollten bei der Mukositis nicht als Alternative zur konventionellen Reinigung verwendet werden.

Stattdessen gilt: Vor der Behandlung sollen Risikofaktoren erfasst, die Mundhygiene betont und der Patient zur Verhaltensänderung motiviert werden. Eine vorhandene Parodontitis soll nach der S3-Leitlinie zu Parodontitis Stadium I bis III behandelt werden (siehe S3-Leitlinie Parodontitis). Als lokalen Risikofaktor nennt die Leitlinie unter anderem Zementreste, siehe „Zementitis an Implantaten: Update 2026“.

Recall einplanen

Die Mukositis heilt auch nach korrekter Therapie nicht bei allen Patienten vorhersehbar aus. Die Leitlinie empfiehlt deshalb regelmäßige Nachkontrollen, als Beispiel nennt sie alle drei Monate.

Periimplantitis: Stufen der Behandlung

Nichtchirurgisch. Hier sollten alternative Verfahren zur Biofilmentfernung zum Einsatz kommen. Möglich sind Er:YAG-Laser oder Glycinpulver-Air-Polishing als Monotherapie. Lokale Antiseptika oder Antibiotika sollten nicht zusätzlich gegeben werden. Systemische Antibiotika sollen auch bei fortgeschrittener Periimplantitis nicht routinemäßig eingesetzt werden, begründet mit der Gesundheit des Patienten und Resistenzen in der Bevölkerung. Eine adjuvante aPDT kann eingesetzt werden, ein adjuvanter Diodenlaser sollte es nicht.

Reevaluation. Spätestens nach sechs Monaten sollte der Erfolg geprüft werden. Sondierungstiefen über 7 mm vor Therapiebeginn gelten als prognostisch ungünstig. Wird das Ziel nicht erreicht, sollten vor allem fortgeschrittene Läsionen früh chirurgisch behandelt werden.

Chirurgisch.

  • Rekonstruktive Verfahren sollten gegenüber nicht rekonstruktiven bevorzugt werden, aber nur bei strenger Indikation: intraossäre Defekte mit drei bis vier Wänden und einer intraossären Komponente über 2 mm sowie ausreichend keratinisierter Mukosa.
  • Eine Implantatplastik kann bei nicht rekonstruktiver Therapie erwogen werden, besonders bei suprakrestalen oder kombinierten Defekten. Bei durchmesserreduzierten Implantaten besteht ein Frakturrisiko.
  • Bei nicht rekonstruktiver Chirurgie sollen keine zusätzlichen lokalen oder systemischen Antibiotika gegeben werden. Eine perioperative Prophylaxe kann erwogen werden.
  • Explantieren sollten Sie bei Lockerung, nicht behebbaren technischen Komplikationen, Therapieresistenz oder wenn die Infektion auf Nachbarstrukturen übergreift.

Neue Studien, eingeordnet

aPDT: Cochrane findet keine Studien zur Periimplantitis

Der Cochrane-Review von Juli 2024 zur adjuvanten aPDT hat 50 randomisierte Studien mit 1.407 Teilnehmern ausgewertet. Zur Periimplantitis fand er keine einzige einschlussfähige Studie, zur Mukositis nur eine sehr kleine. Bei Parodontitis war die Evidenz sehr unsicher, mögliche Verbesserungen sind laut den Autoren eventuell zu klein, um klinisch relevant zu sein.

Unsere Einordnung: Die Leitlinie lässt aPDT bei Periimplantitis als „kann“-Option zu. Der Review liefert dafür keine zusätzliche Bestätigung. Wenn Sie aPDT anbieten, klären Sie den Patienten ehrlich über die dünne Datenlage auf.

Antibiotikaprophylaxe beim Setzen von Implantaten

Die Periimplantitis-Leitlinie regelt nicht die Prophylaxe beim Setzen von Implantaten. Hier liefert der aktualisierte Cochrane-Review vom 1. September 2026 neue Zahlen. Er umfasst 15 randomisierte Studien mit 2.874 Teilnehmern, jeweils ohne Knochenaugmentation.

ErgebnisProphylaxe gegen keine/PlaceboEvidenzsicherheit
ImplantatverlustRR 0,34, von 80 auf 27 pro 1.000 Patienten, 19 Patienten behandeln für einen Verlust wenigermoderat
Prothetisches VersagenRR 0,38moderat
Postoperative InfektionRR 0,55moderat
Einzeldosis gegen Mehrfachdosiskein klarer Unterschiedniedrig
Nebenwirkungenunklarsehr niedrig

Die Studien setzten meist eine einzelne präoperative Dosis Amoxicillin ein, in der Regel 2 g eine Stunde vor dem Eingriff. Das optimale Schema lässt sich laut den Autoren nicht bestimmen. Sie betonen, Antibiotika nur einzusetzen, wenn sie wirksam und klinisch gerechtfertigt sind.

Unsere Einordnung: Eine einmalige präoperative Gabe ist nach dieser Auswertung wahrscheinlich sinnvoll. Für mehrtägige Nachgaben gibt es keinen belegten Zusatznutzen. Für Eingriffe mit Knochenaufbau gibt es noch keine Cochrane-Auswertung, das Protokoll dazu ist erst im September 2026 erschienen.

Neu seit 2026: Leitlinie zu Zahnnichtanlagen

Im Februar 2026 ist die aktualisierte S3-Leitlinie „Zahnimplantatversorgungen bei Zahnnichtanlagen und Syndromen“ (AWMF-Register 083-024) erschienen, gültig bis Februar 2031. Sie gilt jetzt auch für Patienten mit einzelnen fehlenden Zähnen. Die wichtigsten Punkte:

  • Eine frühzeitige Kaufunktions-Rehabilitation, mit oder ohne Implantate, soll erfolgen.
  • Bei syndromaler oder ausgeprägter Oligodontie sollte eine humangenetische Untersuchung empfohlen werden (neu).
  • Implantate vor dem 12. Lebensjahr sollten nur im Ausnahmefall gesetzt werden.
  • Bei Jugendlichen sollte der individuelle pubertäre Wachstumsschub abgewartet werden (neu).

Für die Kasse wichtig: Die Leitlinie verweist selbst darauf, dass nach der Behandlungsrichtlinie des G-BA die generalisierte genetische Nichtanlage eine Ausnahmeindikation ist und jeder Fall begutachtet werden muss. Sie versteht sich als fachliche Hilfe für diese Begutachtung. Was bei Ausnahmeindikationen und im Festzuschuss gilt, lesen Sie in Implantologie: Abrechnung im Überblick.

Häufige Fragen

Sollte ich bei periimplantärer Mukositis Chlorhexidin oder Antibiotika zusätzlich einsetzen?

Nein. Die S3-Leitlinie empfiehlt, adjuvante Antiseptika, systemische Antibiotika, Probiotika, Diodenlaser oder aPDT bei Mukositis nicht einzusetzen, auch keine häuslichen Antiseptika. Entscheidend sind mechanische Reinigung, Mundhygiene und regelmäßige Nachkontrollen.

Wie oft sollte ich Patienten nach einer Mukositis-Behandlung einbestellen?

Die Leitlinie nennt als Beispiel alle drei Monate. Grund ist, dass die Mukositis auch nach korrekter Behandlung nicht bei allen Patienten vorhersehbar ausheilt.

Quellen

  1. AWMF-Register 083-023, S3-Leitlinie Die Behandlung periimplantärer Infektionen an Zahnimplantaten (Langfassung, Stand Dezember 2022). Abgerufen am 28.09.2026
  2. AWMF-Register 083-024, S3-Leitlinie Zahnimplantatversorgungen bei Zahnnichtanlagen und Syndromen (Langfassung, Stand Februar 2026). Abgerufen am 28.09.2026
  3. Cochrane Review CD004152: Antibiotic prophylaxis for dental implant placement without bone augmentation procedures (2026), 01.09.2026. Abgerufen am 28.09.2026
  4. Cochrane Review CD011778: Adjunctive antimicrobial photodynamic therapy for treating periodontal and peri-implant diseases (2024), 12.07.2024. Abgerufen am 28.09.2026
  5. Cochrane-Protokoll CD016385: Antibiotic prophylaxis for dental implant placement with bone augmentation procedures (2026), 04.09.2026. Abgerufen am 28.09.2026

Stand: 28.09.2026. Allgemeine Information, keine Beratung im Einzelfall. Regionale Abweichungen der KZVen möglich.

War dieser Artikel hilfreich?
Artikel teilen

Weiterlesen