Studie der Woche: Implantate nach zehn Jahren und mehr
Implikation für den Dental-Unternehmer
- Werben Sie in der Aufklärung nicht nur mit 95 Prozent Überleben. Nennen Sie auch Erfolg und Nachsorgebedarf, das schafft realistische Erwartungen.
- Implantatpatienten brauchen ein festes Recall. Die PZR ist privat je Implantat berechnungsfähig (GOZ 1040), planen Sie sie als Dauerleistung ein.
- Rund jedes zehnte Implantat entwickelt langfristig eine Periimplantitis. Kalkulieren Sie Zeit und Personal für Befund und Behandlung ein.
Eine Meta-Analyse mit über 20.000 Implantaten zeigt rund 95 Prozent Überleben nach 10 bis 25 Jahren, aber deutlich weniger echten Erfolg.
In 2 Minuten
- Eine Meta-Analyse in Periodontology 2000 wertet 34 Studien mit 7.522 Patienten und 20.445 Implantaten aus, alle mit mindestens 10 Jahren Nachbeobachtung.
- Nach 10 bis 25 Jahren waren rund 95 Prozent der Implantate noch in situ. Der Erfolg lag im Mittel bei 85,1 Prozent, je nach Definition sehr unterschiedlich.
- Im Mittel hatten 10,8 Prozent der Implantate eine Periimplantitis, in einzelnen Studien zwischen 3 und knapp 40 Prozent.
- Die S3-Leitlinie Periimplantitis nennt unregelmäßige Kontrollen als gut belegten Risikofaktor und rät nach Mukositis zu Nachkontrollen, zum Beispiel alle drei Monate.
- Was Sie jetzt tun sollten: Nehmen Sie jeden Implantatpatienten in ein festes Recall auf und dokumentieren Sie Sondierungstiefe und Knochenniveau regelmäßig.
Jede Woche stellt Chairside eine aktuelle Studie aus einem führenden zahnmedizinischen Journal vor und ordnet sie für die Praxis ein. Diese Woche: Wie gut halten Implantate nach zehn Jahren und mehr?
Take-home-Messages
- Lange haltbar: Rund 95 Prozent der Implantate sind nach 10 bis 25 Jahren noch da.
- Überleben ist nicht Erfolg: Gesund im Sinne des Erfolgs waren im Mittel nur 85 Prozent.
- Periimplantitis ist häufig: Im Mittel betraf sie gut jedes zehnte Implantat, mit großer Spannweite.
- Recall entscheidet: Unregelmäßige Kontrollen sind laut Leitlinie ein gut belegter Risikofaktor.
Die Studie
Eine internationale Arbeitsgruppe hat 34 Studien mit 7.522 Patienten und 20.445 Implantaten ausgewertet, die mindestens 10 Jahre nachbeobachtet wurden: randomisierte Studien sowie prospektive und retrospektive Kohorten (DOI 10.1111/prd.70098, online seit 13. Oktober 2026). [1]
Die gepoolte Verlustrate lag je nach Studientyp zwischen 4,8 und 5,1 Prozent. Das entspricht einem Überleben von rund 95 Prozent nach 10 bis 25 Jahren. [1] Der Erfolg lag in 14 Studien im Mittel bei 85,1 Prozent, die Definitionen unterschieden sich aber stark. Im Mittel betrugen die Sondierungstiefe 2,99 mm und der marginale Knochenverlust 1,30 mm. Eine Periimplantitis fand sich im Mittel an 10,8 Prozent der Implantate, in einzelnen Studien zwischen 3,0 und 39,9 Prozent. [1]
Die Autoren folgern, dass ein hohes Überleben noch keinen langfristigen biologischen Erfolg belegt. Für die Bewertung brauche es zusätzlich biologische, radiologische, technische, funktionelle und patientenbezogene Ergebnisse. [1]
Was die Leitlinie sagt
Die S3-Leitlinie zur Behandlung periimplantärer Infektionen (AWMF 083-023, gültig bis Dezember 2027) nennt als sehr gut dokumentierte Risikofaktoren Parodontalerkrankungen, schlechte Mundhygiene, eine Strahlentherapie und unregelmäßige Kontrolluntersuchungen. [2] Da eine Mukositis auch nach Behandlung nicht bei allen Patienten vorhersehbar ausheilt, sollten regelmäßige Nachkontrollen eingeplant werden, zum Beispiel alle drei Monate (konsensbasierte Empfehlung, starker Konsens). [2] Ohne Therapie ging eine Mukositis in einer Studie über fünf Jahre bei 43,9 Prozent in eine Periimplantitis über, unter regelmäßiger vorbeugender Therapie bei 18,0 Prozent. [2]
Mehr zur Behandlung lesen Sie in „Periimplantitis und Implantologie“.
Abrechnung
Die professionelle Zahnreinigung ist privat GOZ 1040 und wird je Zahn, Krone, Brückenglied oder Implantat berechnet (28 Punkte, 3,62 Euro beim 2,3-fachen Satz). [3] Neben den Nummern 1020, 4050, 4055, 4060, 4070, 4075, 4090 und 4100 ist sie laut Abrechnungsbestimmung nicht berechnungsfähig. [3]
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Überleben und Erfolg?
Überleben heißt nur, dass das Implantat noch im Mund ist. Erfolg verlangt zusätzlich gesunde Verhältnisse, etwa wenig Knochenabbau, keine Entzündung und keine Beschwerden. Die Kriterien unterscheiden sich zwischen den Studien stark.
Wie oft sollten Implantatpatienten zum Recall?
Eine feste Vorgabe für alle gibt es in der Leitlinie nicht. Nach einer Mukositis-Behandlung nennt sie als Beispiel alle drei Monate. Das Intervall richtet sich nach dem individuellen Risiko, etwa Parodontitis in der Vorgeschichte oder schlechter Mundhygiene.
Quellen
- Moraschini et al., Ten years and beyond: Long-term dental implant survival, success, and biological health – A systematic review and meta-analysis (Periodontol 2000, 2026), 13.10.2026. Abgerufen am 19.10.2026
- AWMF-Register 083-023, S3-Leitlinie Die Behandlung periimplantärer Infektionen an Zahnimplantaten (Langfassung, Stand Dezember 2022, gültig bis Dezember 2027), 01.12.2022. Abgerufen am 19.10.2026
- BZÄK, GOZ-Kommentar Nr. 1040. Abgerufen am 19.10.2026
Stand: 19.10.2026. Allgemeine Information, keine Beratung im Einzelfall. Regionale Abweichungen der KZVen möglich.
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