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Vollkeramische Kronen und Brücken: Was Leitlinie und neue Studien sagen

Implikation für den Dental-Unternehmer

  • Einzelkronen aus Lithiumdisilikat oder Zirkonoxid halten fünf Jahre so gut wie Metallkeramik, monolithisch mit weniger Chipping und damit weniger Nacharbeit.
  • Lithiumdisilikat-Brücken erreichen nur 82,5 Prozent Fünf-Jahres-Überleben, im Seitenzahnbereich nur bis zum ersten Prämolaren, sonst gilt Zirkonoxid.
  • Fragen Sie Bruxismus vor der Planung ab, denn er beeinflusst Materialwahl, monolithische Gestaltung und eine zusätzliche Schiene.

Welche Keramik für Krone, Brücke und Adhäsivbrücke? Die S3-Leitlinie ist abgelaufen, zwei neue Meta-Analysen von 2026 ergänzen sie.

Veröffentlicht 28.09.2026Stand 28.09.20264 Min. LesezeitFachlich geprüft: Dentapal GmbH
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In 2 Minuten

  • Die S3-Leitlinie 083-012 „Vollkeramische Kronen und Brücken“ trägt den Stand März 2021 und war bis Februar 2026 gültig. Laut Titelblatt wird sie derzeit überprüft.
  • Für Einzelkronen empfiehlt sie mehrere Keramiken mit starker Empfehlung, etwa Lithiumdisilikat im Front- und Seitenzahnbereich.
  • Bei dreigliedrigen Seitenzahnbrücken ist verblendetes Zirkonoxid die Wahl, Lithiumdisilikat kommt dort nur zum Ersatz des ersten Prämolaren in Frage. Vollkeramische Inlaybrücken sollen nicht verwendet werden.
  • Zwei Meta-Analysen von 2026 bestätigen das. Einzelkronen aus Lithiumdisilikat oder Zirkonoxid erreichen fünf Jahre lang das Niveau von Metallkeramik, Brücken aus Lithiumdisilikat schneiden deutlich schlechter ab.
  • Was Sie jetzt tun sollten: Prüfen Sie Ihre Materialwahl bei Brücken, klären Sie Bruxismus vorab ab und dokumentieren Sie die Aufklärung über Material und Risiko.

Vollkeramik ist bei Kronen längst Alltag. Welcher Werkstoff wofür taugt, regelt die S3-Leitlinie „Vollkeramische Kronen und Brücken“. Sie ist inzwischen abgelaufen. Zwei große Meta-Analysen aus dem Jahr 2026 zeigen aber, dass ihre Kernaussagen weiter tragen.

Was die Leitlinie ist

Die S3-Leitlinie 083-012 stammt von der Deutschen Gesellschaft für Prothetische Zahnmedizin und Biomaterialien (DGPro) und der DGZMK. Beteiligt waren unter anderem BZÄK, KZBV und der Verband Deutscher Zahntechniker-Innungen. Sie beantwortet vor allem eine Frage: Halten vollkeramische Kronen und Brücken so lange wie metallkeramische? Maßstab ist das Überleben der Restauration.

Gültigkeit abgelaufen

Die Leitlinie trägt den Stand März 2021 und war bis Februar 2026 gültig. Auf der Langfassung steht: „Seit über 5 Jahren nicht aktualisiert, Inhalte werden derzeit überprüft“. Achten Sie darauf, ob eine neue Fassung erscheint.

Einzelkronen: die Empfehlungen

Die Leitlinie arbeitet mit drei Empfehlungsgraden: A (soll), B (sollte) und 0 (kann).

WerkstoffFrontzahnkroneSeitenzahnkrone
Lithiumdisilikat, verblendetAA
Lithiumdisilikat, monolithisch0A
Zirkonoxid (3Y-TZP), verblendetAB
Zirkonoxid (3Y-TZP), monolithisch00
Silikatkeramik (leuzitverstärkt), monolithischBB
Feldspatkeramik, monolithisch00

Zu transluzenterem Zirkonoxid (4Y-, 5Y-TZP) konnte die Leitlinie mangels Studien keine Aussage treffen. Die Überlebensraten der empfohlenen Kronen sind laut Leitlinie mit denen von Metallkeramik vergleichbar.

Brücken und Adhäsivbrücken

Bei Brücken ist die Leitlinie deutlich zurückhaltender:

  • Dreigliedrige Frontzahnbrücke: Verblendetes Zirkonoxid soll verwendet werden (A).
  • Dreigliedrige Seitenzahnbrücke: Verblendetes Zirkonoxid sollte verwendet werden (B). Lithiumdisilikat kommt nur zum Ersatz des ersten Prämolaren in Frage. Zum Ersatz des zweiten Prämolaren und der Molaren soll es nicht verwendet werden (A). Die Leitlinie nennt dafür Überlebensraten um 50 Prozent nach zehn bis 15 Jahren.
  • Mehrgliedrige und weitspannige Brücken: Die Daten reichen für eine Empfehlung nicht aus.
  • Einflügelige Adhäsivbrücke im Frontzahnbereich: Verblendetes Zirkonoxid soll verwendet werden (A), nach aktueller Studienlage aber nur im Schneidezahnbereich. Die Leitlinie nennt 98,2 Prozent Überleben nach zehn Jahren.
  • Adhäsivbrücken im Seitenzahnbereich: keine Empfehlung, es fehlen klinische Daten.
  • Inlaybrücken im Seitenzahnbereich: Aus Lithiumdisilikat oder verblendetem Zirkonoxid sollen sie nicht angewandt werden (A).
Adhäsivbrücke in der GKV

Die neue S3-Leitlinie zu Parodontitis Stadium IV (083-056) weist in einer Fußnote darauf hin, dass die vertragszahnärztlichen Vorgaben die Adhäsivbrücke auf die Schneidezähne beschränken. Fachlich empfiehlt auch die Vollkeramik-Leitlinie einflügelige Adhäsivbrücken nur im Schneidezahnbereich.

Was die neuen Meta-Analysen zeigen

Eine Arbeitsgruppe um Pjetursson und Sailer hat 2026 zwei systematische Reviews mit Meta-Analyse zu zahngetragenen Kronen und Brücken veröffentlicht. Eingeschlossen waren Studien mit mindestens drei Jahren mittlerer Beobachtungszeit.

Einzelkronen (64 Studien, rund 11.500 Kronen). Geschätztes Überleben nach fünf Jahren:

Werkstoff5-Jahres-Überleben
Lithiumdisilikat, monolithisch98,5 %
Zirkonoxid, verblendet97,3 %
Metallkeramik97,1 %
Zirkonoxid, monolithisch96,8 %
Leuzit- oder Lithiumdisilikat-Glaskeramik, verblendet95,7 %
Feldspat- oder Silikatkeramik90,4 %

Monolithische Kronen aus Lithiumdisilikat und Zirkonoxid hatten deutlich weniger Frakturen und Abplatzungen (Chipping) als verblendete.

Brücken (41 Studien, rund 2.100 Brücken). Nach fünf Jahren lagen verblendetes Zirkonoxid bei 92,9 Prozent, Metallkeramik bei 91,3 Prozent und monolithisches Zirkonoxid bei 87,9 Prozent. Brücken aus Lithiumdisilikat erreichten nur 82,5 Prozent, signifikant weniger als Metallkeramik. Vollkeramische Brücken hatten zudem häufiger Randkaries und Retentionsverlust. Monolithisches Zirkonoxid zeigte am wenigsten Chipping.

Einordnung: Die Reviews bestätigen die Linie der Leitlinie. Bei Einzelkronen ist Vollkeramik der Metallkeramik nach fünf Jahren ebenbürtig. Bei Brücken trennt sich das Feld: Zirkonoxid hält mit, Lithiumdisilikat nicht. Neu ist die bessere Datenlage für monolithisches Zirkonoxid, zu dem die Leitlinie 2021 nur offene Empfehlungen geben konnte. Einschränkungen: Die Zahlen sind gepoolte Schätzungen aus Studien sehr unterschiedlicher Qualität, der Beobachtungszeitraum endet bei fünf Jahren, und Bruxismus-Patienten waren in vielen Studien ausgeschlossen. Die Volltexte haben wir nicht ausgewertet, die Angaben stammen aus den Abstracts.

Bruxismus als Risiko

Ob Vollkeramik bei Bruxismus so gut hält wie Metallkeramik, lässt sich laut Leitlinie nicht abschließend bewerten. Sie empfiehlt deshalb bei wahrscheinlichem Bruxismus:

  • prüfen, ob Metall möglich und akzeptabel ist,
  • sonst monolithische statt verblendeter Restaurationen erwägen,
  • über das höhere Verlustrisiko aufklären,
  • eine Aufbiss- oder Stabilisierungsschiene einbeziehen.

Mehr zur Schiene lesen Sie im Artikel zu Schienen bei Bruxismus und CMD.

Hinweise zur Verarbeitung

Die Leitlinie nennt als häufigste Ursache für Misserfolge eine zu knappe Materialdimensionierung und Chipping. Sie verlangt, die Herstellerangaben zu Präparation, Mindestschichtstärke, Verbinderquerschnitt und Befestigung einzuhalten. Vollkeramische Kronen und Brücken sollten nicht provisorisch befestigt werden, weil dabei Mikrorisse entstehen können.

Häufige Fragen

Ist die Leitlinie zu Vollkeramik noch gültig?

Nein. Sie war bis Februar 2026 gültig. Auf der Langfassung steht, dass sie seit über fünf Jahren nicht aktualisiert wurde und ihre Inhalte derzeit überprüft werden. Die neuen Meta-Analysen von 2026 stützen ihre Kernaussagen aber.

Darf ich bei Bruxismus vollkeramisch versorgen?

Die Leitlinie kann das nicht abschließend bewerten, weil Bruxismus-Patienten in vielen Studien ausgeschlossen waren. Sie rät, Metall oder monolithische Restaurationen zu prüfen, über das höhere Verlustrisiko aufzuklären und eine Schiene einzubeziehen.

Quellen

  1. AWMF-Register 083-012, S3-Leitlinie Vollkeramische Kronen und Brücken (Langfassung, Stand März 2021). Abgerufen am 28.09.2026
  2. AWMF-Register, Detailseite 083-012. Abgerufen am 28.09.2026
  3. Pjetursson BE et al.: Metal-Ceramic, Veneered, and Monolithic All-Ceramic Tooth-Supported Single Crowns, Part 1. Int J Prosthodont 2026;39(3):308-324 (PubMed-Abstract), 27.05.2026. Abgerufen am 28.09.2026
  4. Romandini P et al.: Metal-Ceramic, Veneered, and Monolithic All-Ceramic Tooth-Supported Multiple-Unit FDPs, Part 2. Int J Prosthodont 2026;39(4):444-462 (PubMed-Abstract), 07.08.2026. Abgerufen am 28.09.2026
  5. AWMF-Register 083-056, S3-Leitlinie Die Behandlung von Parodontitis Stadium IV (Langfassung, Stand Mai 2026). Abgerufen am 28.09.2026

Stand: 28.09.2026. Allgemeine Information, keine Beratung im Einzelfall. Regionale Abweichungen der KZVen möglich.

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