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Kariesprävention: Was die aktuellen Leitlinien empfehlen

Implikation für den Dental-Unternehmer

  • Fluoridlack bei Kindern passt zu IP 4 (je Halbjahr einmal, bei hohem Risiko zweimal), planen Sie ihn und die Kontrolle von Versiegelungen fest im Recall ein.
  • Bei Erwachsenen mit Wurzelkariesrisiko sind Fluoridlack und 5000-ppm-Zahnpasta stark empfohlen, klären Sie vorab, wie Sie die Leistung abrechnen.
  • Bewerben Sie die PZR nicht mit Zahnfleischeffekten, sondern begründen Sie ihren Nutzen über Instruktion, Fluorid und Risikobestimmung.

Die S3-Leitlinien zur Kariesprävention und zur Fissurenversiegelung, der Stand bei Milchzähnen und was Cochrane zu PZR und frühkindlicher Karies sagt.

Veröffentlicht 28.09.2026Stand 28.09.20265 Min. LesezeitFachlich geprüft: Dentapal GmbH
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In 2 Minuten

  • Die S3-Leitlinie Kariesprävention bei bleibenden Zähnen (083-021) gilt seit Januar 2025 bis Januar 2030. Kinder und Jugendliche sollen mindestens zweimal jährlich Fluoridlack erhalten, bei stark erhöhtem Risiko in der Regel viermal.
  • Die S3-Leitlinie Fissuren- und Grübchenversiegelung (083-002) gilt bis Juni 2029. Versiegelt werden sollen kariesgefährdete Fissuren und nicht kavitierte Läsionen, bevorzugt mit lichthärtenden Kunststoffen nach Säureätzung.
  • Die Leitlinie zu Fluoriden bei Kindern und Jugendlichen (083-001) stammt von 2013 und ist im AWMF-Register als abgelaufen gekennzeichnet.
  • Laut Cochrane senkt Ernährungsberatung für Schwangere und Eltern das Risiko frühkindlicher Karies wahrscheinlich leicht. Routinemäßige Zahnsteinentfernung und Politur bei Erwachsenen verbessern die Zahnfleischgesundheit kaum.
  • Was Sie jetzt tun sollten: Gleichen Sie Ihr Recall für Kinder und Risikopatienten mit den Fluorid- und Versiegelungsempfehlungen ab.

Prävention ist der Bereich, in dem die Leitlinienlage gerade am aktuellsten ist: Zwei S3-Leitlinien wurden 2024 und 2025 neu gefasst. Für Milchzähne fehlt dagegen eine gültige Leitlinie. Die Abrechnung von IP, FU und Fluoridlack finden Sie im Prophylaxe-Überblick.

Welche Leitlinien gelten

LeitlinieKlasseStandGültig bis
083-021 Kariesprävention bei bleibenden ZähnenS328.01.202527.01.2030
083-002 Fissuren- und GrübchenversiegelungS3Juni 202429.06.2029
083-001 Fluoridierungsmaßnahmen zur KariesprophylaxeS2k2013abgelaufen
Lücke bei Milchzähnen

Die S3-Leitlinie 083-021 klammert Fluoridierung im Milchgebiss ausdrücklich aus und verweist auf die Leitlinie 083-001. Deren Fassung von 2013 ist im AWMF-Register als abgelaufen gekennzeichnet. Eine Überarbeitung ist angemeldet.

Kariesprävention bei bleibenden Zähnen (083-021)

Die Leitlinie der DGZ und der DGZMK richtet sich an alle Menschen mit bleibenden Zähnen. Die für die Praxis wichtigsten Empfehlungen:

ThemaEmpfehlungGrad
ZähneputzenMindestens zweimal täglich mit fluoridhaltiger ZahnpastaA (soll)
ZahnpastaAb Durchbruch der bleibenden Zähne mindestens 1000 ppm FluoridA (soll)
WurzelkariesDauerhaft Zahnpasta mit 5000 ppm FluoridA (soll)
Fluoridlack, Kinder und JugendlicheMindestens zweimal jährlich, bei stark erhöhtem Risiko in der Regel viermalA (soll)
Fluoridlack, ErwachseneZusätzlich berücksichtigen, vor allem bei Risiko für WurzelkariesA (soll)
ProphylaxeprogrammKindern und Jugendlichen bedarfs- und risikoorientiert anbietenA (soll)
Motivation und InstruktionLebenslangB (sollte)
ZuckerFreie Zucker unter 10 Prozent der Energiezufuhr, im Einzelfall unter 5 ProzentA (soll)
CHX-LackBei festsitzender Kieferorthopädie oder freiliegenden Wurzeln möglich0 (kann)

Neu ist unter anderem: Die alte Empfehlung, nach sauren Mahlzeiten mit dem Putzen zu warten, lässt sich laut Leitlinie nicht mehr aufrechterhalten. Bei Zinnfluorid, Nano-Hydroxylapatit, Arginin und ähnlichen Wirkstoffen spricht die Leitlinie keine Empfehlung aus.

Einordnung: Der Fluoridlack mindestens zweimal im Jahr passt zur Kassenleistung IP 4, die je Kalenderhalbjahr einmal und bei hohem Kariesrisiko zweimal abrechenbar ist. Für Erwachsene mit Wurzelkariesrisiko empfiehlt die Leitlinie Fluoridlack mit starkem Empfehlungsgrad. Die GKV bezahlt ihn bei Erwachsenen nur in Sonderfällen, etwa bei Pflegebedürftigen. Hier brauchen Sie eine Privatvereinbarung.

Fissuren- und Grübchenversiegelung (083-002)

Die dritte Aktualisierung der Leitlinie gilt vom 30. Juni 2024 bis 29. Juni 2029. Die Kernpunkte:

  • Indikation: Versiegelung soll kariesgefährdete Fissuren und Grübchen vor Karies schützen und nicht kavitierte Läsionen stoppen (starke Empfehlung). Nicht kavitierte Läsionen, etwa braun verfärbte Fissuren, sollten versiegelt werden.
  • Risiko: Eine patientenbezogene Einschätzung des Kariesrisikos sollte erfolgen, um die Versiegelung zu priorisieren. Kinder und Jugendliche mit Behinderung sollten versiegelt werden.
  • MIH: Bei abgegrenzten Opazitäten ohne Einbruch kann die Versiegelung erwogen werden.
  • Material und Technik: Bevorzugt niedrigvisköse, lichthärtende Kunststoffe nach Ätzung mit 35 bis 37 Prozent Phosphorsäure (starke Empfehlung). Relative Trockenlegung mit vierhändigem Arbeiten sollte umgesetzt werden, weil sie laut Studien der absoluten gleichwertig ist.
  • Kontrolle: Versiegelte und unversiegelte Fissuren sollen regelmäßig und risikobezogen kontrolliert werden, bei Retentionsverlust ist eine Nachversiegelung zu prüfen.

Einordnung: In der GKV ist die Versiegelung als IP 5 nur an den Molaren 6 und 7 für Versicherte von 6 bis 17 Jahren vorgesehen. Die Leitlinie ist breiter und stellt das individuelle Risiko in den Mittelpunkt. Die Kontrollempfehlung macht klar: Eine Versiegelung ohne Recall verschenkt ihren Nutzen.

Was Cochrane-Reviews ergänzen

Frühkindliche Karies: Beratung der Eltern wirkt

Ein Cochrane-Review von 2024 wertete 23 randomisierte Studien mit 25.953 Betreuungspersonen und Kindern aus. Ernährungs- und Fütterungsberatung für Schwangere, Mütter und andere Betreuungspersonen senkte das Risiko für Karies an Milchzähnen wahrscheinlich um etwa 15 Prozent (RR 0,85, moderate Vertrauenswürdigkeit). Stillförderung allein zeigte kaum einen Unterschied. Für andere Ansätze war die Evidenz zu unsicher.

Einordnung: Das stützt die Früherkennungsuntersuchungen mit praktischer Anleitung der Eltern (FU 1, FU Pr). Der Hebel ist die Beratung zu Ernährung und Fütterung, nicht nur die Zahnputzanleitung.

PZR bei Erwachsenen: Wenig Effekt auf das Zahnfleisch

Der Cochrane-Review von 2018 zur routinemäßigen Zahnsteinentfernung und Politur („scale and polish“) bei Erwachsenen ohne schwere Parodontitis stützt sich auf zwei Studien aus britischen Praxen mit 1.711 Teilnehmern. Über zwei bis drei Jahre machte die Behandlung kaum oder keinen Unterschied bei Gingivitis, Taschentiefen und mundgesundheitsbezogener Lebensqualität (hohe Vertrauenswürdigkeit). Zahnstein nahm ab, halbjährlich etwas stärker als jährlich. Karies war nicht Gegenstand der Auswertung.

Einordnung: Der Review betrifft eine einfache Zahnsteinentfernung mit Politur, nicht jedes PZR-Konzept mit Instruktion und Fluoridierung. Die S3-Leitlinie 083-021 betont, dass Karies vor allem durch die Kombination mehrerer Maßnahmen sinkt. Wer PZR als Privatleistung anbietet, sollte Patienten nicht mehr versprechen, als die Studienlage hergibt, und den Nutzen über Instruktion, Fluorid und Risikobestimmung begründen.

Silberdiaminfluorid: Option bei Wurzelkaries

Laut Cochrane 2024 (29 Studien, 13.036 Teilnehmer) verhindert Silberdiaminfluorid wahrscheinlich neue Wurzelkaries (moderate Vertrauenswürdigkeit). Bei Milchzähnen kann es möglicherweise Karies stoppen, die Evidenz ist aber sehr unsicher.

Häufige Fragen

Wie oft soll ich bei Kindern Fluoridlack auftragen?

Laut S3-Leitlinie 083-021 bei Kindern und Jugendlichen mindestens zweimal im Jahr, bei stark erhöhtem Kariesrisiko häufiger, in der Regel viermal pro Jahr. Das gilt unabhängig von anderen Fluoridierungsmaßnahmen.

Ist die PZR wissenschaftlich belegt?

Für Erwachsene ohne schwere Parodontitis fand Cochrane 2018 kaum einen Unterschied bei Gingivitis, Taschentiefen und Lebensqualität, wohl aber weniger Zahnstein. Für Patienten mit Parodontitis gelten eigene Regeln, siehe UPT.

Quellen

  1. AWMF-Register 083-021, S3-Leitlinie Kariesprävention bei bleibenden Zähnen – grundlegende Empfehlungen (Langfassung, Stand 28.01.2025). Abgerufen am 28.09.2026
  2. AWMF-Register 083-002, S3-Leitlinie Fissuren- und Grübchenversiegelung (Langfassung, Stand Juni 2024). Abgerufen am 28.09.2026
  3. AWMF-Register 083-001, S2k-Leitlinie Fluoridierungsmaßnahmen zur Kariesprophylaxe (Stand 2013, abgelaufen)
  4. AWMF-Register 083-001, Detailseite. Abgerufen am 28.09.2026
  5. Cochrane Review 2024: Interventions with pregnant women, new mothers and other primary caregivers for preventing early childhood caries (PubMed), 16.05.2024. Abgerufen am 28.09.2026
  6. Cochrane Review 2018: Routine scale and polish for periodontal health in adults (PubMed). Abgerufen am 28.09.2026
  7. Cochrane Review 2024: Topical silver diamine fluoride for preventing and managing dental caries in children and adults (PubMed), 07.11.2024. Abgerufen am 28.09.2026

Stand: 28.09.2026. Allgemeine Information, keine Beratung im Einzelfall. Regionale Abweichungen der KZVen möglich.

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