Dentaldepot oder Online-Marktplatz: Wohin entwickelt sich der Einkauf der Praxis?
Implikation für den Dental-Unternehmer
- Material ist mit 44.800 Euro im Jahr nur 8,1 % Ihrer Betriebsausgaben. 10 % Rabatt bringen rund 4.500 Euro, nicht mehr.
- Das große Geld steckt in Geräten: 79.000 Euro bei einer Übernahme, 348.000 Euro bei einer Neugründung. Hier zählen Service und Planung.
- Kaufen Sie Standardmaterial dort, wo Preis und Lieferung stimmen. Geräte, Technik und Wartung bündeln Sie bei einem Partner.
- Der größte Hebel ist Zeit: Legen Sie fest, wer bestellt, mit welcher Liste und wie oft. Jede Suche nach Bestpreisen kostet Personal.
Verbrauchsmaterial wandert ins Netz, Geräte und Service bleiben beim Depot. Was das für Ihre Kosten bedeutet und wie Sie Ihren Einkauf aufstellen.
Offenlegung: Chairside wird von der Dentapal GmbH herausgegeben, die selbst externe Zahnarztabrechnung anbietet.
In 2 Minuten
- Eine Praxis gab 2023 im Schnitt 44.800 Euro für Material aus, das sind 8,1 % der Betriebsausgaben. Personal kostete mehr als fünfmal so viel.
- Der Onlinehandel zwischen Unternehmen wächst, Marktplätze am schnellsten. Der weltgrößte Dentalhändler nennt Onlineshops Dritter als Wettbewerbsrisiko.
- Die Depots reagieren mit eigenen Onlineshops und Eigenmarken. Einige Hersteller verkaufen zudem direkt an Praxen.
- Bei Geräten bleibt das Depot stark: Einweisung, sicherheitstechnische Kontrollen alle zwei Jahre und Reparaturen brauchen Techniker vor Ort.
- Was Sie jetzt tun sollten: Teilen Sie Ihren Einkauf in Standardmaterial, Spezialmaterial und Geräte mit Service, und wählen Sie für jeden Teil den passenden Weg.
Der Einkauf der Praxis teilt sich. Verbrauchsmaterial bestellen viele Praxen inzwischen online, beim Versender oder über Marktplätze. Bei der Einrichtung, bei Geräten und beim Service führt der Weg meist weiter ins Dentaldepot. Dieser Beitrag zeigt, wo sich der Markt bewegt, was das in Euro für Ihre Praxis bedeutet und wie Sie Ihren Einkauf als Unternehmer aufstellen.
Take-home-Messages
- Kosten: Material ist ein kleiner Kostenblock. Der Preisvergleich lohnt sich, ist aber nicht Ihr größter Hebel.
- Markt: Online wächst, die Depots verkaufen selbst online. Der Unterschied liegt nicht mehr im Kanal, sondern im Service.
- Geräte: Bei Investitionen und Technik bleiben Beratung, Montage und Wartung vor Ort entscheidend.
- Steuerung: Wer den Einkauf klar regelt, spart mehr Zeit als Rabatt.
Was der Einkauf Ihre Praxis kostet
Eine Zahnarztpraxis gab 2023 im Schnitt 44.800 Euro für Material für Praxis und Labor aus. Das waren 8,1 Prozent der Betriebsausgaben, 2,5 Prozent mehr als im Vorjahr [1]. Personal kostete 237.700 Euro, Fremdlabor 130.000 Euro [1].
- Personal43,1 %
- Fremdlabor23,6 %
- Übrige Ausgaben13,6 %
- Material Praxis und Labor8,1 %
- Raumkosten6,0 %
- Abschreibungen5,1 %
- Zinsen0,5 %
KZBV-Jahrbuch 2025, Tab. 5.5, Durchschnitt je Praxis in Deutschland, Betriebsausgaben 551.500 Euro (Quelle 1).
Rechnen Sie selbst: Holen Sie beim Material 10 Prozent heraus, sind das rund 4.500 Euro im Jahr. Beim durchschnittlichen Gewinn von 255.500 Euro je Praxis [1] sind das knapp 2 Prozent mehr (eigene Berechnung). Das lohnt sich, aber nur, wenn die Suche nach dem Bestpreis nicht mehr Arbeitszeit kostet, als sie einspart.
Anders sieht es bei den Investitionen aus. Wer 2024 eine Einzelpraxis übernahm, investierte im Schnitt 450.000 Euro, davon 79.000 Euro in medizinisch-technische Geräte [2]. Bei einer Neugründung waren es im Mittel 853.000 Euro, davon 348.000 Euro für Geräte, knapp 41 Prozent [2]. Hier entscheiden Planung, Montage und Service über Ihre Kosten in den folgenden Jahren.
Wohin sich der Markt bewegt
Online wächst, Marktplätze am schnellsten. Hersteller und Großhändler in Deutschland verkauften 2024 über Onlineshops und Marktplätze Waren für 509 Milliarden Euro an andere Unternehmen, 7 Prozent mehr als im Vorjahr [5]. Marktplätze wuchsen von 2018 bis 2024 um durchschnittlich 29,4 Prozent im Jahr und haben rund 24 Prozent Anteil, eigene Onlineshops der Anbieter 76 Prozent [5]. Das sind Zahlen über alle Branchen. Öffentliche Zahlen allein für den Dentalhandel haben wir nicht gefunden.
Die Depots spüren den Druck. Henry Schein, nach eigenen Angaben weltweit größter Anbieter von Dentalbedarf, nennt die Konkurrenz durch Onlineshops Dritter ausdrücklich als Risiko [6]. Das Unternehmen hat eine eigene, weltweite Onlineplattform gestartet, zunächst in den USA, Kanada, Irland und Großbritannien, und bündelt die Onlinebestellungen dort [6, 7]. Zugleich baut es Eigenmarken und eigene Produkte aus, mit einem Portfolio von über 3 Milliarden US-Dollar [6].
Hersteller verkaufen teils direkt. Bei Spezialprodukten liefern Hersteller schon heute direkt an Praxen, schreibt Henry Schein selbst [7]. Für Sie heißt das: Bei Spezialprodukten, etwa in der Implantologie, lohnt der Vergleich mit dem Direktbezug.
Der Markt im Inland wächst. Die deutsche Dentalindustrie setzte 2025 im Inland 2,404 Milliarden Euro um, fast 6 Prozent mehr als 2024 [4]. Im Bundesverband Dentalhandel sind heute Fachhändler, Hersteller und Versandhändler gemeinsam organisiert [8]. Die Grenze zwischen Depot und Versender verschwimmt also auch auf Verbandsebene.
Wo das Depot stark bleibt
Geräte brauchen Menschen vor Ort. Medizinprodukte dürfen nur Mitarbeitende anwenden, die eingewiesen wurden. Fehlt die Einweisung, etwa nach einer Praxisübernahme, muss sie nachgeholt werden [3]. Für die Geräte nach Anlage 1 der Medizinprodukte-Betreiberverordnung sind sicherheitstechnische Kontrollen spätestens alle zwei Jahre fällig, Wartungen nach Herstellerangaben kommen dazu [3]. Für aktive Geräte führen Sie ein Bestandsverzeichnis, für die Geräte nach Anlage 1 und 2 ein Medizinproduktebuch [3].
In vielen Praxen organisiert das der Techniker des Depots. Ein Onlineshop liefert das Gerät, aber selten die Einweisung, die Kontrolle und die schnelle Reparatur, wenn eine Einheit ausfällt. Ein Behandlungstag ohne Stuhl kostet Sie mehr Umsatz, als Sie beim Kauf eines Handstücks sparen.
So teilen Sie Ihren Einkauf auf
| Bereich | Beispiele | Wo es meist passt | Worauf Sie achten |
|---|---|---|---|
| Standardmaterial | Handschuhe, Mundschutz, Sauger, Watterollen, Desinfektion | Online, Versender, Marktplatz oder Depot-Shop | Preis inklusive Versand, Lieferzeit, Mindestmengen |
| Spezialmaterial | Komposite, Abformmaterial, Endo, Implantat-Komponenten | Depot oder direkt beim Hersteller | Feste Marken, Chargen, Konditionen im Jahresvertrag |
| Geräte und Technik | Einheit, Röntgen, Sterilisation, Scanner | Depot oder Hersteller mit Service vor Ort | Planung, Montage, Einweisung, STK, Reaktionszeit |
| Praxisplanung | Neugründung, Umbau, Übernahme | Depot mit Planungsabteilung | Gesamtangebot inklusive Service über mehrere Jahre |
Quo vadis? Unsere Einordnung
Das Dentaldepot verschwindet nicht, es verändert sich. Wer nur Kartons verschickt, konkurriert mit jedem Onlineshop über den Preis. Wer Planung, Technik und Service bietet, bleibt für Praxisinhaber der wichtigste Partner bei Investitionen. Der Einkauf von Verbrauchsmaterial wird für Sie dagegen zur Routine: Liste, Preisvergleich, Bestellung, oft im Onlineshop des eigenen Depots.
Für Ihre Praxis als Unternehmen heißt das: Nutzen Sie den Wettbewerb beim Material, ohne Ihr Team mit der Jagd nach Cent-Beträgen zu binden. Verhandeln Sie bei Geräten nicht nur den Kaufpreis, sondern Service, Reaktionszeit und Kontrollen über die gesamte Nutzungsdauer. Welche Kennzahlen Ihnen zeigen, ob Ihre Kosten im Rahmen liegen, lesen Sie im Beitrag Unternehmen Praxis: Diese KPIs sollten Praxiseigentümer kennen. Welche digitalen Geräte sich lohnen, zeigt der Marktüberblick digitale Zahnheilkunde.
Häufige Fragen
Ist online immer billiger?
Nein. Vergleichen Sie den Preis inklusive Versand, Mindestmenge und Ihrer Konditionen beim Depot. Viele Depots geben Jahres- oder Rahmenrabatte, die im Listenpreis nicht sichtbar sind.
Kann ich Geräte online kaufen und vom Depot warten lassen?
Oft ja, aber klären Sie das vor dem Kauf. Fragen Sie, wer installiert, einweist, die sicherheitstechnischen Kontrollen übernimmt und Ersatzteile liefert, und zu welchem Preis.
Brauche ich eine Software für den Einkauf?
Ab mehreren Lieferanten lohnt sich eine Materialwirtschaft mit Bestellliste und Preisvergleich. Oft reicht zu Beginn eine gepflegte Liste mit Artikel, Lieferant, Preis und Mindestbestand.
Quellen
- KZBV, Jahrbuch 2025, Kapitel Betriebswirtschaftliche Daten der Zahnarztpraxen (S. 116–121, 130–131), Tab. 5.5, Grundlage Zahnärzte-Praxis-Panel des Zi. Abgerufen am 01.10.2026
- Klingenberger D, Köhler B. Investitionen bei der zahnärztlichen Existenzgründung 2024 (InvestMonitor Zahnarztpraxis). Zahnmed Forsch Versorg 2025, 5: 03, IDZ, 24.10.2025. Abgerufen am 01.10.2026
- Landeszahnärztekammer Sachsen, Informationen zu aktiven Medizinprodukten: Wartung und sicherheitstechnische Kontrolle, Gerätebuch und Bestandsverzeichnis nach MPBetreibV (Version 02). Abgerufen am 01.10.2026
- VDDI, Umsatz und Export der Deutschen Dental-Industrie. Abgerufen am 01.10.2026
- IFH Köln, Trotz Konjunkturflaute: B2B-Internethandel von Herstellern und Großhandel legt um sieben Prozent zu. Abgerufen am 01.10.2026
- Henry Schein, Corporate Presentation Q4 2025 (24.02.2026), 24.02.2026. Abgerufen am 01.10.2026
- Henry Schein, Form 10-K für das Geschäftsjahr 2025, U.S. Securities and Exchange Commission. Abgerufen am 01.10.2026
- BVD Bundesverband Dentalhandel, Der BVD. Abgerufen am 01.10.2026
Stand: 01.10.2026. Allgemeine Information, keine Beratung im Einzelfall. Regionale Abweichungen der KZVen möglich.
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