Die zehn wichtigsten Allgemeinerkrankungen für die Zahnarztpraxis: Update 2026
Implikation für den Dental-Unternehmer
- Bei Pflegebedürftigen sind 174a, 174b und 107a je Kalenderhalbjahr abrechenbar, Kooperationen mit Pflegeheimen bringen Besuchs- und Zuschlagspositionen.
- Fragen Sie Blutverdünner, Antiresorptiva und GLP-1-Spritzen schon bei der Terminplanung ab, sonst müssen elektive Eingriffe kurzfristig verschoben werden.
- Machen Sie Ihren Anamnesebogen konkret und lassen Sie ihn bei jedem Recall vom Patienten bestätigen, das gehört fest in den Empfangsablauf.
- Risikoadaptierte Recalls, etwa alle 3 bis 12 Monate unter Antiresorptiva und halbjährlich bei Endokarditis-Hochrisiko, gehören fest in Ihre Terminplanung.
Bluthochdruck, Diabetes, Gerinnungshemmer, Antiresorptiva und sieben weitere Diagnosen. Was Leitlinien und Reviews für Anamnese und Behandlung sagen.
In 2 Minuten
- Bluthochdruck (36 %), Diabetes (10 %) und KHK (8 %) sind so häufig, dass sie in fast jeder Sprechstunde vorkommen. Mit dem Alter steigen die Anteile stark.
- Gerinnungshemmer und ASS setzen Sie bei einfachen Eingriffen in der Regel nicht ab. Duale Plättchenhemmung nie ohne Rücksprache mit dem behandelnden Arzt.
- Endokarditis-Prophylaxe nach ESC 2023 nur bei Hochrisikopatienten, eine Dosis Amoxicillin 2 g. Clindamycin wird nicht mehr empfohlen.
- Neu seit 2025/2026 sind die Leitlinien zur Osteoradionekrose und zu Implantaten unter Antiresorptiva. Die Leitlinie zur Kiefernekrose wird überarbeitet.
- Was Sie jetzt tun sollten: Prüfen Sie Ihren Anamnesebogen auf Antiresorptiva, GLP-1-Spritzen und Herzklappenersatz und lassen Sie ihn bei jedem Recall aktualisieren.
Ein großer Teil Ihrer Patienten bringt mindestens eine chronische Erkrankung mit, ab 65 Jahren fast jeder. Viele davon verändern, wie Sie anästhesieren, extrahieren, Antibiotika geben oder den Recall planen. Hier sind die zehn Diagnosen mit der größten Bedeutung für die Praxis, jeweils mit dem aktuellen Stand der Leitlinien und Reviews.
- Bluthochdruck (2022)36,3 %
- Diabetes (2024)10,3 %
- COPD (ab 45 J., 2019)8,5 %
- Koronare Herzkrankheit (2025)8,0 %
- Osteoporose, Frauen (2014/15)7,8 %
Quelle: RKI, Gesundheitsberichterstattung und Journal of Health Monitoring. Ärztlich diagnostiziert, Selbstangabe. Erhebungsjahre unterschiedlich.
Mit dem Alter steigen die Anteile stark: Ab 80 Jahren haben 67 % einen Bluthochdruck und 27 % eine KHK, zwischen 65 und 79 Jahren rund 21 % einen Diabetes. [20, 21, 22] Dazu kommen 5,7 Millionen Pflegebedürftige (Ende 2023) und nach Schätzung der Deutschen Alzheimer Gesellschaft 1,84 Millionen Menschen mit Demenz. [25, 26]
Auf einen Blick
| Nr. | Diagnose | Worauf es ankommt |
|---|---|---|
| 1 | Bluthochdruck | Lokalanästhesie mit Adrenalin in niedriger Dosis meist gut verträglich [16] |
| 2 | Diabetes mellitus | Wechselwirkung mit Parodontitis, PAR-Therapie senkt den HbA1c [14] |
| 3 | KHK, Stent, Schlaganfall | ASS weiterführen, duale Plättchenhemmung nie eigenmächtig absetzen [3] |
| 4 | Vorhofflimmern, Thrombose | DOAK und Cumarine bei einfachen Eingriffen weiterführen [3] |
| 5 | Herzklappenersatz, frühere Endokarditis | Prophylaxe mit Amoxicillin 2 g, kein Clindamycin mehr [6] |
| 6 | Osteoporose unter Antiresorptiva | Risiko für Kiefernekrose, Eingriffe nur mit Kautelen [1] |
| 7 | Krebs, vor allem Kopf-Hals-Bestrahlung | Sanierung vor der Bestrahlung, lebenslang Fluorid [4] |
| 8 | COPD und Asthma | Kortisonspray: Soor, Parodontitis-Assoziation [5, 13] |
| 9 | Chronische Niereninsuffizienz | Keine NSAR, Dosis an die Nierenfunktion anpassen [8] |
| 10 | Demenz und Pflegebedürftigkeit | Leistungen nach § 22a SGB V, Mundpflege senkt Pneumonie-Sterblichkeit [11, 15] |
1. Bluthochdruck
Mehr als jeder dritte Erwachsene hat einen ärztlich festgestellten Bluthochdruck. [20] Die praktische Frage ist meist: Darf ich Adrenalin im Lokalanästhetikum geben?
Ein systematischer Review mit zehn randomisierten Studien an 478 Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen fand: Ohne Vasokonstriktor hatten die Patienten mehr Schmerzen und stärkere Blutungen. [16] Der systolische Blutdruck nach dem Eingriff war mit Vasokonstriktor eher niedriger, Herzrhythmusstörungen traten nicht häufiger auf. Die Evidenzsicherheit ist allerdings niedrig bis sehr niedrig. [16]
Unsere Einordnung: Gute Schmerzausschaltung ist für Herz-Kreislauf-Patienten wichtiger als der Verzicht auf Adrenalin. Bleiben Sie bei niedriger Dosis und aspirieren Sie.
2. Diabetes mellitus
Jeder zehnte Erwachsene hat einen Diabetes, 2003 waren es noch 5,8 %. [21] Diabetes und Parodontitis beeinflussen sich gegenseitig: Ein schlecht eingestellter Diabetes verschlechtert die Parodontitis, eine Parodontitis erhöht das Risiko für Typ-2-Diabetes und den HbA1c. [12, 13]
Der Cochrane-Review von 2022 (30 Studien, 2.443 Teilnehmende) zeigt: Eine Parodontitistherapie senkt den HbA1c nach drei bis vier Monaten um 0,43 Prozentpunkte, bei moderater Evidenzsicherheit. Nach sechs Monaten sind es noch 0,30 Prozentpunkte. Die Autoren werten den Effekt als klinisch relevant. [14]
Die europäischen Fachgesellschaften für Parodontologie und Allgemeinmedizin (EFP und WONCA Europe) fordern seit 2023 ausdrücklich, dass Zahnärzte und Hausärzte zusammenarbeiten. Die Zahnarztpraxis soll Diabetes früh erkennen helfen, die Hausarztpraxis Parodontitis. [13]
Unsere Einordnung: Fragen Sie bei jeder Parodontitis nach Diabetes und HbA1c. Bei Verdacht auf einen unbekannten Diabetes verweisen Sie an die Hausarztpraxis. Mehr zur Parodontitistherapie lesen Sie in S3-Leitlinie Parodontitis.
3. KHK, Stent und Schlaganfall
Rund 8 % der Erwachsenen haben eine koronare Herzkrankheit, ab 80 Jahren mehr als jeder Vierte. [22] Zahnärztlich zählen vor allem die Thrombozytenaggregationshemmer. Die S3-Leitlinie 083-018 empfiehlt:
- ASS niedrig dosiert zur Sekundärprophylaxe soll weitergeführt werden. [3]
- Clopidogrel, Prasugrel oder Ticagrelor allein bei einfachen Eingriffen weiterführen. [3]
- Duale Plättchenhemmung (zum Beispiel nach Stent) nicht ohne Rücksprache mit dem behandelnden Arzt absetzen. Elektive Eingriffe verschieben, bis die duale Therapie beendet ist. [3]
4. Vorhofflimmern und Thrombose
Patienten mit Vorhofflimmern oder nach Thrombose nehmen meist direkte orale Antikoagulanzien (DOAK) oder Cumarine. Die S3-Leitlinie 083-018 empfiehlt:
- Cumarine bei typischen Eingriffen im komprimierbaren Bereich weiterführen. Den INR 24 bis 48 Stunden vor dem Eingriff bestimmen lassen. [3]
- DOAK (Dabigatran, Rivaroxaban, Apixaban, Edoxaban) bei einfachen Eingriffen weiterführen. Den Eingriff kurz vor die nächste reguläre Einnahme legen. [3]
- Bei höherem Blutungsrisiko frühestens 12 bis 24 Stunden nach der letzten Einnahme operieren, bei Dabigatran und Niereninsuffizienz später. [3]
- Fragen Sie nach der letzten Tabletteneinnahme und planen Sie die lokale Blutstillung vorher.
Die ESC-Leitlinie von 2022 zu nicht-kardialen Eingriffen bestätigt die Richtung: Bei geringem, gut beherrschbarem Blutungsrisiko ohne Unterbrechung behandeln. [7]
Die S3-Leitlinie 083-018 stammt von 2017 und war bis August 2020 gültig. [3] Eine Neufassung ist noch nicht erschienen. Ihre Kernaussagen decken sich mit der neueren ESC-Leitlinie. [3, 7] Details zu Weisheitszähnen und Gerinnungshemmern lesen Sie in Weisheitszähne und Gerinnungshemmer.
5. Herzklappenersatz und Endokarditisrisiko
Die ESC-Leitlinie von 2023 hat die Endokarditis-Prophylaxe neu geordnet. Für Hochrisikopatienten ist sie jetzt eine klare Empfehlung (Klasse I). [6]
| Was die ESC 2023 sagt | |
|---|---|
| Hohes Risiko (Prophylaxe empfohlen) | frühere Endokarditis, chirurgische oder kathetergestützte Klappenprothese (auch TAVI), Klappenrekonstruktion mit Fremdmaterial, unbehandelte zyanotische Herzfehler, operierte Herzfehler mit Prothesenmaterial, Herzunterstützungssysteme [6] |
| Mittleres Risiko (keine Routine, Einzelfall) | rheumatische oder degenerative Klappenerkrankung, bikuspide Aortenklappe, Herzschrittmacher und Defibrillatoren, hypertrophe Kardiomyopathie [6] |
| Risikoeingriffe | Extraktionen, Oralchirurgie (auch PA-Chirurgie, Implantate, Biopsien), Eingriffe an Gingiva oder periapikal, also auch Zahnsteinentfernung und Wurzelbehandlung [6] |
| Schema | eine Dosis 30–60 Minuten vorher: Amoxicillin 2 g oral (Kinder 50 mg/kg) [6] |
| Bei Penicillinallergie | Azithromycin oder Clarithromycin 500 mg, Cefalexin 2 g oder Doxycyclin 100 mg [6] |
| Neu | Clindamycin wird wegen Nebenwirkungen nicht mehr empfohlen [6] |
| Recall | Hochrisikopatienten mindestens zweimal im Jahr zahnärztlich kontrollieren, alle anderen jährlich [6] |
Künstliche Gelenke brauchen in der Regel keine Prophylaxe. Die Leitlinie der American Dental Association rät davon ab, weil kein Zusammenhang zwischen Zahnbehandlung und Protheseninfektion belegt ist. [10]
6. Osteoporose unter Antiresorptiva
Knapp 8 % der Frauen haben eine Osteoporose. [24] Viele erhalten Bisphosphonate oder Denosumab. Beide können eine Kiefernekrose auslösen. [1] Die S3-Leitlinie 007-091 teilt das Risiko in drei Gruppen:
| Risiko | Typische Patienten | Kiefernekrose |
|---|---|---|
| niedrig | Osteoporose, Bisphosphonat oder Denosumab 60 mg alle 6 Monate | 0–0,5 % [1] |
| mittel | Zwischengruppe nach Leitlinie | bis 1 % |
| hoch | Krebs, monatlich Bisphosphonat i. v. oder Denosumab 120 mg | 1–21 % [1] |
Die wichtigsten Empfehlungen:
- Vor Therapiebeginn sanieren Sie Infektionsherde und passen Prothesen an. Die Osteoporosetherapie soll dadurch aber nicht verzögert werden. Bei Denosumab besteht das Risiko ab der ersten Spritze. [1]
- Operative Eingriffe sind möglich, mit Kautelen: verlängerte systemische Antibiose, Glätten scharfer Knochenkanten, atraumatisches Vorgehen, plastische Deckung mit spannungsfreier Naht, Kontrolle bis zur Abheilung. [1]
- Therapiepausen („drug holiday“) empfiehlt die Leitlinie weder dafür noch dagegen. Denosumab darf ohnehin nicht einfach abgesetzt werden, weil danach das Risiko für Wirbelbrüche stark steigt. [1]
- Recall risikoadaptiert: etwa alle 12 Monate bei niedrigem, alle 6 bei mittlerem und alle 3 Monate bei hohem Risiko. [1]
Neu 2026: Die S3-Leitlinie 083-026 zu Implantaten unter Antiresorptiva liegt seit März 2026 in Version 2.0 vor. Sie empfiehlt eine perioperative Antibiotikaprophylaxe, eine Aufklärung über das Kiefernekroserisiko und eine risikoadaptierte Nachsorge. [2] Für einen Nutzen von Therapiepausen gibt es auch hier keine belastbaren Daten. [2]
Die S3-Leitlinie 007-091 ist seit mehr als fünf Jahren nicht aktualisiert. Laut Vermerk im AWMF-Register wird sie überarbeitet. [1] Bis zur Neufassung bleibt sie der maßgebliche Konsens.
7. Krebserkrankungen
Besonders folgenreich ist die Bestrahlung im Kopf-Hals-Bereich. Die S2k-Leitlinie 007-046 zur infizierten Osteoradionekrose wurde 2025 neu gefasst (Version 5.0, gültig bis 2030):
- Jeder Patient soll vor Beginn der Strahlentherapie zahnärztlich vorgestellt werden, auch zahnlose. [4]
- Den Sanierungsplan erstellen Strahlentherapie und Zahnmedizin gemeinsam, mit Gesamtdosis, Zielvolumen und Dringlichkeit. [4]
- Die Wundheilung soll vor Bestrahlungsbeginn weitgehend abgeschlossen sein. [4]
- Während und bis etwa sechs bis acht Wochen nach der Bestrahlung sind Eingriffe besonders komplikationsträchtig. [4]
- Bezahnte Patienten sollen lebenslang topisch fluoridieren, möglichst mit Applikatorschiene. [4]
Krebspatienten mit Knochenmetastasen erhalten oft Antiresorptiva in hoher Dosis. Sie gehören zur Hochrisikogruppe für Kiefernekrosen (Abschnitt 6). [1]
Chemotherapie und orale Mukositis
Die S3-Leitlinie Supportive Therapie (Leitlinienprogramm Onkologie) gibt für alle Krebstherapien mit Mukositisrisiko eine standardisierte Mundpflege vor (Empfehlungsgrad A, „soll“). [30] Dazu gehören:
- Pflege durch den Patienten: regelmäßig den Mund befeuchten und spülen, weiche Zahnbürste, Zahnseide oder Interdentalbürsten, Noxen meiden (Alkohol, Tabak, Zucker, scharfe, heiße und saure Speisen), Mund selbst auf Läsionen und Schmerzen kontrollieren.
- Risikoadaptierte Vorsorge durch den Zahnarzt: kariöse, erhaltungswürdige Zähne versorgen, scharfe Kanten an Zähnen und Zahnersatz glätten, geschädigte Zähne gegebenenfalls entfernen, Prothesendruckstellen behandeln, bei Bedarf fluoridieren. Diese Maßnahmen fasst der Hintergrundtext der Leitlinie zusammen.
- Engmaschige klinische Kontrolle während der Therapie.
Neu in Version 2.0 (2025) sind zwei Empfehlungen bei Stammzelltransplantation: [29]
| Maßnahme | Wann | Empfehlungsgrad |
|---|---|---|
| Eiswürfel lutschen (orale Kryotherapie) | Hochdosis-Melphalan vor Stammzelltransplantation | B („sollte“) |
| Photobiomodulation (Low-Level-Laser) | Stammzelltransplantation, mit einem der vorgeschlagenen Protokolle | 0 („kann“) |
Bei Bestrahlung im Kopf-Hals-Bereich kann laut Leitlinie natürlicher Honig zur Vorbeugung der strahlenbedingten Mukositis eingesetzt werden (Empfehlungsgrad 0). [29]
Unsere Einordnung: Planen Sie Krebspatienten vor Beginn der Therapie ein, nicht erst bei Beschwerden. Die Sanierung vorher ist der wichtigste Beitrag der Zahnarztpraxis.
8. COPD und Asthma
8,5 % der Menschen ab 45 Jahren haben eine COPD. [23] Zwei Punkte sind für Sie wichtig:
- Kortisonsprays können eine Pilzinfektion im Mund auslösen. Die Nationale VersorgungsLeitlinie Asthma rät, nach dem Inhalieren den Mund auszuspülen, die Zähne zu putzen oder etwas zu trinken. [5]
- Parodontitis ist mit COPD assoziiert (Odds Ratio 1,33 in einer Metaanalyse aus elf Studien). Der EFP/WONCA-Konsens empfiehlt für diese Patienten Mundhygieneberatung, Parodontitistherapie und Unterstützung beim Rauchstopp. [13]
9. Chronische Niereninsuffizienz
Für die Praxis zählen vor allem die Medikamente. Die internationale Nierenleitlinie KDIGO von 2024 nennt:
- NSAR wie Ibuprofen oder Diclofenac sind nierenschädigend. Als Alternative nennt die Leitlinie Paracetamol. [8]
- Die Dosis renal ausgeschiedener Medikamente richtet sich nach der Nierenfunktion (GFR). Das betrifft auch manche Antibiotika. [8]
- Rezeptfreie Mittel sollen begrenzt werden. [8]
Vor einer Nierentransplantation empfiehlt KDIGO eine zahnärztliche Untersuchung auf Karies und Parodontitis, um Infektionen nach der Transplantation vorzubeugen. [9]
10. Demenz und Pflegebedürftigkeit
5,7 Millionen Menschen in Deutschland sind pflegebedürftig, 86 % von ihnen werden zu Hause versorgt. [25] Versicherte mit Pflegegrad oder Eingliederungshilfe haben nach § 22a SGB V Anspruch auf zusätzliche Leistungen, jeweils einmal im Kalenderhalbjahr:
| BEMA | Leistung | Punkte |
|---|---|---|
| BEMA 174a | Mundgesundheitsstatus und individueller Mundgesundheitsplan [11] | 20 [28] |
| BEMA 174b | Mundgesundheitsaufklärung, auch für Pflegepersonen [11] | 26 [28] |
| BEMA 107a | Entfernen harter Zahnbeläge [11] | 16 [28] |
Dazu kommen Besuchs- und Zuschlagspositionen, etwa im Rahmen eines Kooperationsvertrags mit einem Pflegeheim. Bei Mundtrockenheit sieht die Richtlinie ausdrücklich eine Rücksprache mit dem behandelnden Arzt vor, um die Medikation prüfen zu lassen. [11]
Warum sich das lohnt: Nach dem Cochrane-Review von 2022 senkt professionelle Mundpflege bei Pflegeheimbewohnern die Sterblichkeit an Lungenentzündung (Risiko etwa halbiert nach 24 Monaten, niedrige Evidenzsicherheit). Ob weniger Lungenentzündungen auftreten, ist dagegen nicht gesichert. [15]
Mehr zu den Zahlen lesen Sie in Prävention bei Pflegebedürftigen.
Neu im Blick: Abnehmspritzen und Mundtrockenheit
GLP-1-Rezeptoragonisten wie Semaglutid oder Tirzepatid verzögern die Magenentleerung. Die Europäische Arzneimittelagentur hat 2024 darauf hingewiesen, dass vor Narkose oder tiefer Sedierung mit Mageninhalt zu rechnen ist. Die Produktinformationen wurden ergänzt. [18] Die anästhesiologischen Fachgesellschaften empfehlen vor elektiven Operationen, Wochenspritzen eine Woche vorher auszusetzen und Tagespräparate am OP-Tag. [19] Planen Sie Eingriffe in Sedierung oder Narkose, fragen Sie gezielt nach diesen Spritzen. Viele Patienten nennen sie nicht als Medikament.
Mundtrockenheit ist im Alter häufig. Eine Metaanalyse von 2026 mit 128 Studien fand bei Menschen ab 60 Jahren bei 32 % Mundtrockenheit und bei 33 % eine verminderte Speichelmenge, in Pflegeheimen mehr. [17] Häufige Ursache sind Medikamente. Das erhöht das Risiko für Karies und Prothesenprobleme.
Die Anamnese: Patienten wirken mit
Ihre Behandlung ist nur so sicher wie die Angaben, die Sie bekommen. Das Gesetz sieht ausdrücklich vor, dass Behandelnder und Patient zusammenwirken (§ 630c Abs. 1 BGB). [27] Nach der Gesetzesbegründung trifft den Patienten dabei die Obliegenheit, für die Behandlung bedeutsame Umstände zeitnah offenzulegen und so ein Bild von seiner Person und seiner körperlichen Verfassung zu vermitteln. [27] Dazu gehören Vorerkrankungen und Medikamente.
Damit das gelingt, hilft ein guter Bogen. Fragen Sie konkret, nicht nur allgemein nach „Medikamenten“:
- Blutverdünner, auch ASS
- Spritzen oder Infusionen gegen Osteoporose oder Knochenmetastasen, auch wenn sie nur alle sechs oder zwölf Monate gegeben werden
- Abnehm- oder Diabetesspritzen
- Herzklappenersatz, frühere Endokarditis, Herzfehler
- Bestrahlung im Kopf-Hals-Bereich
- Nierenerkrankung, Dialyse
- bundeseinheitlicher Medikationsplan, falls vorhanden
Häufige Fragen
Muss ich vor einer Extraktion Rivaroxaban oder Apixaban absetzen lassen?
Bei einfachen Eingriffen im komprimierbaren Bereich nein. Die S3-Leitlinie empfiehlt, die Therapie weiterzuführen und den Eingriff kurz vor die nächste reguläre Einnahme zu legen. Bei höherem Blutungsrisiko sollten 12 bis 24 Stunden seit der letzten Einnahme vergangen sein.
Wer braucht vor einer Zahnsteinentfernung eine Endokarditis-Prophylaxe?
Nach ESC 2023 nur Hochrisikopatienten, etwa nach früherer Endokarditis, mit Herzklappenprothese oder Klappenrekonstruktion mit Fremdmaterial und bei bestimmten angeborenen Herzfehlern. Standard ist eine Dosis Amoxicillin 2 g oral, 30 bis 60 Minuten vorher.
Brauchen Patienten mit künstlichem Hüft- oder Kniegelenk eine Antibiotikaprophylaxe?
In der Regel nicht. Die Leitlinie der American Dental Association empfiehlt sie vor zahnärztlichen Eingriffen grundsätzlich nicht, weil kein Zusammenhang zwischen Zahnbehandlung und Protheseninfektion belegt ist.
Sind Patienten verpflichtet, den Anamnesebogen wahrheitsgemäß auszufüllen?
Das Gesetz sieht vor, dass Zahnarzt und Patient bei der Behandlung zusammenwirken (§ 630c Abs. 1 BGB). Nach der Gesetzesbegründung trifft den Patienten die Obliegenheit, für die Behandlung bedeutsame Umstände zeitnah offenzulegen. Das umfasst Vorerkrankungen und Medikamente.
Quellen
- AWMF-Register 007-091, S3-Leitlinie Antiresorptiva-assoziierte Kiefernekrosen (AR-ONJ), Stand Dezember 2018, 02.12.2018. Abgerufen am 01.10.2026
- AWMF-Register 083-026, S3-Leitlinie Zahnimplantate bei medikamentöser Behandlung mit Knochenantiresorptiva, Version 2.0, 24.03.2026. Abgerufen am 01.10.2026
- AWMF-Register 083-018, S3-Leitlinie Zahnärztliche Chirurgie unter oraler Antikoagulation/Thrombozytenaggregationshemmung, Stand August 2017. Abgerufen am 01.10.2026
- AWMF-Register 007-046, S2k-Leitlinie Infizierte Osteoradionekrose (IORN) der Kiefer, Version 5.0, 31.03.2025. Abgerufen am 01.10.2026
- Nationale VersorgungsLeitlinie Asthma, Version 5.0 (AWMF-Register nvl-002), 01.08.2024. Abgerufen am 01.10.2026
- Delgado V et al.: 2023 ESC Guidelines for the management of endocarditis. Eur Heart J 2023;44:3948–4042, 25.08.2023. Abgerufen am 01.10.2026
- Halvorsen S et al.: 2022 ESC Guidelines on cardiovascular assessment and management of patients undergoing non-cardiac surgery. Eur Heart J 2022, 26.08.2022. Abgerufen am 01.10.2026
- KDIGO 2024 Clinical Practice Guideline for the Evaluation and Management of Chronic Kidney Disease. Kidney Int 2024;105(4S), 01.04.2024. Abgerufen am 01.10.2026
- KDIGO Clinical Practice Guideline on the Evaluation and Management of Candidates for Kidney Transplantation. Transplantation 2020;104(4S1), 01.04.2020. Abgerufen am 01.10.2026
- Sollecito TP et al.: The use of prophylactic antibiotics prior to dental procedures in patients with prosthetic joints. ADA Clinical Practice Guideline. JADA 2015;146:11–16, 01.01.2015. Abgerufen am 01.10.2026
- G-BA: Richtlinie über Maßnahmen zur Verhütung von Zahnerkrankungen bei Pflegebedürftigen und Menschen mit Behinderungen (§ 22a SGB V), Fassung vom 15.12.2022, 15.12.2022. Abgerufen am 01.10.2026
- Sanz M et al.: Scientific evidence on the links between periodontal diseases and diabetes. Konsens IDF/EFP 2018, 01.03.2018. Abgerufen am 01.10.2026
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- RKI, Journal of Health Monitoring 3/2017: 12-Monats-Prävalenz von Osteoporose in Deutschland, 13.09.2017. Abgerufen am 01.10.2026
- Destatis: 5,7 Millionen Pflegebedürftige zum Jahresende 2023, 18.12.2024. Abgerufen am 01.10.2026
- Deutsche Alzheimer Gesellschaft: Neue Zahlen zur Demenz, 04.09.2024. Abgerufen am 01.10.2026
- Deutscher Bundestag, Drucksache 17/10488: Entwurf eines Gesetzes zur Verbesserung der Rechte von Patientinnen und Patienten (Begründung zu § 630c BGB, S. 21), 15.08.2012. Abgerufen am 01.10.2026
- KZBV: BEMA-Kurzfassung, Stand 1. Januar 2026, 01.01.2026. Abgerufen am 01.10.2026
- Leitlinienprogramm Onkologie, Leitlinienreport zur S3-Leitlinie Supportive Therapie bei onkologischen PatientInnen, Version 2.0 (AWMF-Register 032-054OL), 01.04.2025. Abgerufen am 01.10.2026
- Leitlinienprogramm Onkologie, S3-Leitlinie Supportive Therapie bei onkologischen PatientInnen, Langversion 1.1, Empfehlung 7.3 Standardisierte Mundpflege, 01.04.2017. Abgerufen am 01.10.2026
Stand: 01.10.2026. Allgemeine Information, keine Beratung im Einzelfall. Regionale Abweichungen der KZVen möglich.
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